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WRX: nach dem Audi-Rücktritt —

Kehrt Ekström in die DTM zurück?

Nach zwei Jahren stellt Audi die Unterstützung für Mattias Ekströms Rallycross-Team EKS ein. Kommt nun das Comeback in der DTM? Womöglich mit seinem Team?

Viele Worte verlor Audi nicht. Im Grunde gar keines. In der Pressemitteilung zur motorsportlichen Zukunft war nur von der DTM und der Formel E die Rede. Dass man in Ingolstadt in Zukunft auf beide Serien setze. Die Rallycross-WM? Kam dort nicht vor. Was dann letztendlich bedeutete: Audi steigt aus, wird das EKS-Team von Mattias Ekström nicht mehr unterstützen. Aus drei werden also ab 2019 zwei Programme. Und Ekström muss nun schauen, wo er bleibt. Ekström zeigte sich im Gespräch mit AUTO BILD MOTORSPORT relativ gefasst. Mit 40 hat man schließlich schon eine Menge erlebt. Und in den heutigen, unruhigen Zeiten muss man mit solchen Nachrichten beziehungsweise Entscheidungen wohl oder übel rechnen. „Drei Motorsport-Serien auf diesem Niveau sind sehr viel. Ich finde es schade, aber man muss es akzeptieren, wie es kommt“, sagte Ekström ABMS. Dass es die WRX traf und zum Beispiel nicht die DTM, kann er am Ende auch nachvollziehen. „Was Rallycross betrifft: Auch da ist die Plattform gut, aber auch sehr kostenintensiv. Am Ende ist es eine Kosten-Nutzen-Rechnung, deshalb kann ich die Entscheidung durchaus nachvollziehen.“
Doch wie geht es für den Schweden und sein Team weiter? Was eine Zukunft in der WRX in der jetzigen Form betrifft, sehe er nur geringe Chancen: „Nichts ist unmöglich, aber realistisch ist das nicht. Zum einen aus finanziellen Gründen. Aber klar: Natürlich könnten wir teilnehmen, aber chancenlos hinterherzufahren ist nicht der Motorsport, den ich machen möchte.“ Ekström ist aber nicht nur ein Schlitzohr auf der Strecke, sondern auch ein cleverer Geschäftsmann. Natürlich kennt er die Zukunftsausrichtung schon etwas länger, und natürlich arbeitet der Schwede genauso lange an Alternativen. Alles andere wäre als Teambesitzer und als professioneller Rennfahrer auch fahrlässig. „Es gibt sehr viele Gedanken, sozusagen Pläne A bis G“, sagte Ekström. Betonte aber auch: „Es wäre nicht korrekt, es der Welt mitzuteilen, bevor es nicht in trockenen Tüchern ist und es die EKS-Mitarbeiter nicht auch wissen. Sie sollen es nicht aus der Zeitung erfahren.“ Und mit Gewalt will er auch nichts erzwingen. „Wenn es mich nicht mehr reizt, würde ich den Helm ablegen. Ich würde gerne fahren, aber nur, wenn es Sinn macht. Ich bin nicht in Not und keine 20 mehr. In einer guten und konkurrenzfähigen Meisterschaft gerne, aber mit der Brechstange muss es nicht sein.“
Stellt sich spontan die Frage: Gibt es 2019 das Comeback des zweimaligen Champions in der DTM? Immerhin hatte er sich ein Hintertürchen offen gelassen, als er im Winter seinen Rücktritt bekanntgab. Übrigens eine Entscheidung, die er immer noch für richtig hält: „Als ich die Entscheidung traf, befand sich die DTM in einer schwierigen Situation. Wir hätten sicher gerne mehr Rennen gewonnen, aber vom Projekt her war es das richtige Timing. Und auch wenn man die Kräfteverhältnisse in der DTM sieht, war es richtig. Ob es langfristig die richtige Entscheidung war, darüber kann man sicher diskutieren.“ Aber: „Jetzt, wo Audi sich zur DTM bekannt hat und 2019 neue Autos und mehr Motorleistung kommen, würde mich das schon reizen. Aber es muss Sinn machen, es muss einen Platz geben und jemand anderes muss es auch wollen. Das ist ja keine One-Man-Show. Es würde viele Gespräche brauchen, bis das funktioniert. Aber ja: Es ist eine der Optionen.“ Mit dem sogenannten Class-One-Reglement kommen 2019 neue Motoren (Vierzylinder-Turbo) mit rund 620 PS (bislang rund 500). Daneben steht in Aston Martin ein neuer Hersteller vor der Tür, auch wenn das Engagement noch nicht fix ist.
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Nicht nur deshalb spricht der Schwede in regelmäßigen Abständen mit DTM-Chef Gerhard Berger. „Mir gefällt sein Ansatz, seine Hartnäckigkeit, sein Racing-Spirit. Ich weiß, dass er gerne einen Weg in die DTM finden würde. Ich weiß aber nicht, ob er einen Weg finden kann“, sagte Berger ABMS. Bekanntlich sucht Berger für die Zukunft ab 2019 neben neuen Herstellern auch Privatteams. Eine Möglichkeit für Ekströms EKS? „Es gibt viele Überlegungen und Gespräche, aber noch keine Entscheidungen. Was am Ende herauskommt, wird man im Laufe des Herbstes wissen. Zumindest werden die kommenden Wochen und Monate nicht langweilig“, so Ekström. Ein Dementi ist das nicht. Die Hürde ist wie für alle potenziellen Privatteams eine finanzielle. Sponsorensuche also. Angeblich soll ein Bolide rund 800.000 Euro kosten, eine Saison kann man wohl mit rund 2,5 bis drei Millionen Euro veranschlagen. Ekström: „Es ist im Motorsport allgemein schwierig, Sponsoren zu finden. Aber ein gutes und konkurrenzfähiges Angebot bekommt man immer verkauft.“
Autor: Andreas Reiners