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VW Atlas Tanoak: Test —

VW beschreitet neue Pfade

VW checkt mit der Studie  Atlas Tanoak den US-Markt. AUTO BILD konnte den Midsize-Pick-up fahren und verrät, wie es um seine Serienreife steht.

Aufgepasst, USA! Volkswagen checkt in Nordamerika mit seiner Studie Atlas Tanoak den Markt der Pick-ups. In dem Segment haben dort Ford F150, Chevy Silverado, Ram 1500 und GMC Sierra das Sagen. Sie punkten durch jede Menge Platz, ordentlich Komfort, starke Motoren und günstige Einstiegspreise. Ob VW da mithalten kann? Aktuell testen sie genau das mit dem Atlas Tanoak, der Ende März in New York vorgestellt wurde. Noch mehr US-Reaktionen zum Pick-up sollen erste Fahrberichte bringen. Auch AUTO BILD hat hinterm Steuer Platz genommen.

Konkurrenz für amerikanische Midsize-Pick-ups

Platz hat der Tanoak, und auch das Raumgefühl ist in der aufwendig gestalteten Studie gut. Die Mittelarmablage dürfte den Amerikanern vermutlich zu klein sein, die sind aus ihren Pick-ups Ablagen im Kühlboxenformat gewohnt. Fairerweise muss man aber erwähnen, dass nur die bekannten großen Pick-ups mit derartigen Platzangeboten daherkommen. Als Midsize-Pick-up wird der Tanoak eher gegen Ford Ranger, Chevy Colorado und Toyota Tacoma antreten. Das Infotainmentsystem funktioniert im VW Atlas Tanoak nicht, dürfte aber dem bekannten System aus dem Atlas in nichts nachstehen.
Mit dem 280 PS starken VR6 unter der Haube und 350 Newtonmeter Drehmoment verteilt auf beiden Achsen hat der Tanoak sicherlich genug Kraft – was wir bei der kurzen Testfahrt mit dem Prototyp aber nicht ausprobieren konnten. Da waren nur 50 km/h möglich. Was sich aber im Vergleich zu US-Pick-ups schon feststellen lässt, ist eine deutlich bessere Handlichkeit als bei den Konkurrenten. Dank MQB ist der Tanoak trotz einer Länge von 5,44 Metern gut zu kontrollieren und dürfte besonders in Kurven und auf Unebenheiten manch Konkurrenten mit Leiterrahmen und Blattfedern in Sachen Straßenlage sowie Komfort überlegen sein.

Aussicht auf den nächsten VW Amarok?

Ob es aber zu dieser direkten Konfrontation kommt, steht noch in den Volkswagen-Sternen. Einem möglichen Marktstart stehen aktuell zahlreiche Kalkulationen im Wege, wonach Entwicklungskosten mit möglichen Verkaufszahlen und Erlösen gegengerechnet werden. Aber sicherlich wird man in Deutschland später das eine oder andere Teil im nächsten VW Amarok wiederfinden, der zur Neuauflage bestimmt auch auf einem MQB steht. Warum sonst sollten auch deutsche Journalisten bei den Testfahrten dabei sein, wenn es nur um die Reaktionen der Amerikaner ginge?

Außen- und Innendesign des VW Atlas Tanoak

Auf der New York Auto Show haben wir uns den VW Atlas Tanoak bereits genauer angeschaut:
Das Design der Studie basiert auf dem Serien-SUV Atlas – zumindest bis zur B-Säule. Dahinter gibt die Ladefläche dem Tanoak einen völlig eigenständigen Charakter. Dieser wird auch durch die individuellen Elemente des Pick-ups unterstrichen. Denn der Tanoak macht mächtig auf Geländewagen: In die Frontschürze wurde eine Seilwinde integriert, dazu gibt es einen Unterbodenschutz. Die Tagfahrlichter in der wuchtigen Frontschürze erinnern an den T-Roc. Die Streben des Kühlergrills sind illuminiert und umranden die LED-Scheinwerfer. Alle Leuchten am Tanoak sind animiert. Seitlich fallen große 20-Zoll-Felgen mit Geländereifen und massive Radkastenverbreiterungen aus Kunststoff auf. 
Am Heck dominiert ein Leuchtenband. Nette Spielerei: Beim Öffnen und Schließen des Fahrzeugs zeigen die Leuchten eine Lichtinszenierung. Ebenfalls auffällig: die riesigen, eckig geformten Chrom-Auspuffendrohre. Auf der Ladefläche lässt sich der sogenannte "Cargo-Bügel" auf den Seitenwänden der Ladefläche über den gesamten Bereich verschieben. Dadurch werden Fixpunkte geschaffen um beispielsweise Kanus oder Fahrräder sicher auf der Ladefläche zu verstauen.

Große Show im Cockpit

Der Innenraum des Tanoak ist die konsequente Fortführung des spektakulären Außendesigns, das für einen VW geradezu emotional ist. Auch wenn der Stilmix aus dickem, rötlich braunem Leder, Carbon und silber schimmernden Elementen für sich genommen etwas gewöhnungsbedürftig erscheint, zur extrovertierten Pick-up-Studie passt er hervorragend und ist alles, aber nicht langweilig. Nach den vielen cleanen Elektrostudien der Wolfsburger eine Wohltat. Easteregg: Luftausströmer im gleichen Wabenlook wie die Lufteinlässe in der Frontschürze. So wie der Grill außen leuchtet, strahlen den Insassen die digitalen Instrumente, der Infotainment-Monitor und darunter die Klimabedienung entgegen. Gekrönt von einem bläulichen Leuchtstreifen, der sich einmal von rechts nach links über Türen und Cockpit zieht. Aber lassen wir uns nicht allzu sehr von der dick aufgetragenen Showcar-Schminke einlullen. Wir sitzen in der möglichen dritten Variante des US-SUVs Atlas, die nach dem für 2019 geplanten Atlas Cross Sport die Atlas-Familie erweitern könnte. Ein Seriencockpit dürfte deshalb wesentlich nüchterner ausfallen als der Concept Car-Innenraum.
Autoren: Andreas Huber, Peter R. Fischer, Robin Hornig