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Trumps Strafzölle: Auswirkungen für Autofahrer —

Alles über Donald Trumps Strafzölle

US-Präsident Trump droht wieder mit Strafzöllen von satten 25 Prozent – speziell gegen Autobauer. Was bedeutet das für die deutsche Autoindustrie?

(dpa/Reuters/brü/cj) Die USA drohen mit neuen Importzöllen auf ausländische Fahrzeuge – das hat die deutsche Autoindustrie in Aufregung versetzt. Das Handelsministerium in Washington leitete am 23. Mai 2018 im Auftrag von US-Präsident Donald Trump eine Untersuchung zur Frage ein, ob die Importe die Belange der nationalen Sicherheit der USA berühren. Auch Verteidigungsminister James Mattis wurde informiert. Es gebe Hinweise darauf, "dass Importe aus dem Ausland jahrzehntelang unsere heimische Autoindustrie ausgehöhlt haben", sagte Handelsminister Wilbur Ross. Das "Wall Street Journal" berichtete von möglichen Einfuhrzöllen von bis zu 25 Prozent auf Pkw, Lkw und Autoteile. Die Aktien von Daimler, BMW und VW an der Börse in Frankfurt gerieten ins Schlingern. Generell schweben immer noch die umstrittenen US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium wie ein Damoklesschwert über der deutschen Wirtschaft.

Trump: "Autos ein wirklich großes Problem"

Trump hatte Autos bereits am 10. März 2018 auf einer Kundgebung vor Anhängern als "wirklich großes Problem" bezeichnet und gedroht: "Wir werden Mercedes-Benz mit Zöllen belegen, wir werden BMW mit Zöllen belegen." Schon zuvor hatte der US-Präsident über Twitter angekündigt, Importabgaben erheben zu wollen – und zwar nicht nur im Fall von EU-Vergeltungsmaßnahmen für die von ihm verhängten Strafzölle auf Stahl und Aluminium. Die scharfen Töne beunruhigen viele Deutsche, schließlich besteht ein enges Handelsgeflecht zwischen Deutschland und den USA. Deutschland exportiert Waren im Wert von vielen Milliarden in die USA, importiert aber auch einiges. AUTO BILD erklärt die Hintergründe.

Was ist der Anlass für den Streit?

Trump bemängelt den Handel zwischen Europa und den USA als unfair: Die Europäer würden die eigenen Märkte abschotten, aber günstig exportieren. Tatsächlich werden Autos aus den USA in der EU mit zehn Prozent Importzoll belegt, während die USA auf eingeführte Autos aus Europa nur 2,5 Prozent draufschlagen. Deutschland kassiere auf Kosten der USA, kritisiert Trump.

Wie begründen die USA die neuerlichen Drohungen?

Laut US-Handelsministerium ist die Frage, ob die Importe die Binnenwirtschaft schwächen und damit auch die nationale Sicherheit berühren. Damit hätten Strafzölle eine größere Chance, ein mögliches Klageverfahren bei der Welthandelsorganisation WTO zu überstehen. In den vergangenen 20 Jahren sei die Importquote bei Pkw von 32 Prozent auf 48 Prozent gewachsen, teilte das Ministerium mit. Die Beschäftigung bei den US-Autobauern sei hingegen zwischen 1990 und 2017 um 22 Prozent gesunken, obwohl die Amerikaner mehr Autos kauften als früher. Dies könne die Innovationskraft und die Fähigkeit der technischen Entwicklung des Landes beeinträchtigen.

Worum geht es wirklich?

Dem US-Präsidenten ist es ein Dorn im Auge, dass Deutschland als Exportweltmeister gut am internationalen Handel verdient, sich in Sicherheitsfragen aber auf den starken Partner USA verlässt. Tatsächlich reißt Deutschland das mit der NATO vereinbarte Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigungsausgaben seit Jahren. Das wird begründet mit einem weiter gefassten Sicherheitsbegriff: Die Bundesregierung argumentiert, dass auch Entwicklungshilfe die Sicherheit hierzulande erhöht, das Geld zählt aber nicht zum Verteidigungshaushalt. 

Was würden Strafzölle bringen?

Sie machen importierte Waren teuer, denn sie werden auf die regulären Einfuhrzölle aufgeschlagen. Damit wollen die USA die Einfuhrmenge verringern, um mehr von der heimischen Ware zu verkaufen. Importierter Stahl wird um 25 Prozent teurer, Aluminium um zehn Prozent. Doch die Wirkung solcher Strafzölle hält meist nicht lange an und schlägt dann ins Gegenteil um. Als US-Präsident George W. Bush 2002 ähnliche Schutzzölle auf Stahl verhängte, konterte die EU mit Gegenzöllen. Die Folge: In den USA gingen Zehntausende Jobs in der Stahlindustrie verloren, nach zwei Jahren hoben die USA die Zölle wieder auf.

Wie wären die deutschen Autobauer betroffen?

Unterschiedlich. BMW wäre eher von Gegenreaktionen aus aller Welt betroffen. Denn die Bayern haben ihr weltweit größtes Werk in Spartanburg (US-Bundesstaat South Carolina), von wo aus sie 70 Prozent aller gefertigten Fahrzeuge (vor allem SUVs) exportieren, auch nach Europa. Auch Daimler und VW haben große Werke in Übersee, Audi und Porsche nicht. Porsche exportiert jährlich rund 50.000 Autos in die USA. Für alle deutschen Hersteller aber gilt: Der US-Markt ist enorm wichtig. 2017 legten ihre Verkäufe dort laut VDA um etwa ein Prozent auf 1,35 Millionen Neuwagen zu. Auf die Autohersteller würde bei höheren Zöllen ein erheblicher Kostendruck zukommen, die ihre Autos vor allem in den USA teurer machen und den Absatz auf dem wichtigen Markt schmälern könnte.

Würden GM, Ford und Fiat-Chrysler profitieren?

Das hat zwei Komponenten. In den USA könnten heimische Autobauer profitieren, wenn die europäische Konkurrenz teurer würde. Allerdings ist fraglich, ob US-Kunden deutschen Premiumherstellern den Rücken kehren, um ein GM-Fahrzeug oder einen Ford zu kaufen. Bei Fiat-Chrysler wäre es noch komplizierter, denn FCA ist ein US-europäisches Unternehmen. Allerdings sind die Limousinen und Sportwagen aus deutscher Produktion auch nur für wenige Amerikaner attraktiv. iLaut Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) sind rund drei Viertel der Produktion der großen US-Hersteller dicke Light Trucks und Pick-ups, die vor allem in den USA verkauft und in Europa kaum gefahren werden. Sie würden wohl durch geringere Einfuhrbeschränkungen und ein besseres Umfeld in den USA kaum begehrter.

Welche Rolle spielt China?

Das Land der Mitte war lange der eigentliche Gegner der Trump-Administration in Sachen Handel. Am 21. Mai 2018 schlossen die USA und China nach monatelangen gegenseitigen Zolldrohungen eine Grundsatzvereinbarung, um den hohen Exportüberschuss Chinas gegenüber den Vereinigten Staaten abzubauen. Nach der Einigung will China nun Einfuhrzölle zum Juli 2018 deutlich senken: für die meisten Pkw-Modelle von 25 auf 15 Prozent, für Lkw von 20 auf 15 Prozent und auf bestimmte Autoteile von zehn auf sechs Prozent. Ein deutlicher Lichtblick also für die deutschen Autobauer auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. "Dies ist ein weiterer wichtiger Schritt für offene Märkte und ein Zeichen für eine Stärkung des internationalen Handels", sagte VDA-Präsident Bernhard Mattes dazu. 

Wie geht es weiter?

Noch bis zum 1. Juni 2018 sind die EU und weitere Partner von den Zöllen auf Stahl und Aluminium ausgeschlossen, eine weitere Verlängerung ist eher fraglich. Unter anderem kämpfen Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Angela Merkel für eine unbefristete Ausnahme. Die Strafzölle sind gesetzt, der Handelskonflikt kommt (zumindest mit China), auch wenn der Sinn der Aktion selbst in den USA angezweifelt wird. Mit der EU sollen laut Weißem Haus "langfristige Alternativen entwickelt werden, die der nationalen Sicherheit der USA gerecht" würden.  Es droht nach wie vor eine Spirale des Protektionismus.

Werden wir die Auswirkungen spüren, und wann?

"Die schlechte Nachricht hat einen Namen: Donald Trump", sagte der Direktor des IMK-Instituts, Gustav Horn. "Geopolitische Unsicherheiten und auch die weiter schwebende Entscheidung über US-Importzölle trüben zumindest die Stimmung in der Wirtschaft weiterhin ein. Hält dieser Prozess an, werden die Sorgen um die Konjunktur wieder zunehmen." Heißt: Deutschland könnte vielleicht nicht sofort, aber zumindest später die Auswirkungen heftig spüren. Sorge bereitet den Wirtschaftsverbänden generell der raue Ton, der dem internationalen Handel schadet und eine Kette von Strafen und Gegenreaktionen nach sich ziehen dürfte. Das beeinträchtigt das günstige Wirtschaftsklima und könnte den Aufschwung abschnüren. Bei einem Abkühlen der Konjunktur wären höhere Spritpreise und mehr Arbeitslose eine mögliche Folge. Der wichtige Verband der Maschinenbauer VDMA sieht als Ergebnis nur Verlierer.

Werden Harley-Davidsons und Teslas jetzt teurer? 

In Europa würden die legendären Motorräder mit Sicherheit teurer, wenn die Importeure die von der EU angekündigten Strafzölle auf den Kaufpreis aufschlügen. Denn die EU hatte höhere Importsteuern als Gegenmaßnahmen angekündigt. Das ist nun vorerst vom Tisch. Ob Teslas E-Autos auf dem alten Kontinent teurer werden, ist schwer zu sagen. Nutzt Musk hochfesten, strafbesteuerten Stahl aus dem Import? Verhängt die EU im Gegenzug Strafzölle auf US-Produkte? Und wie jongliert Tesla-Chef Elon Musk mit den Preisen für seine Autos? Alles offene Fragen.
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