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Suzuki Jimny (2018): erstes Date und Test —

AUTO BILD holt den Jimny vom Schiff

Ahoi, Kleiner! Wir haben den ersten Jimny vom Schiff geholt und eine kleine Runde gedreht. Der Suzuki könnte in Szenevierteln sein Revier finden.

Sie rollen in Fünfergruppen an Land. In Jungle Green, so heißt das neue Förstergrün, oder im szenigen Kinetic Yellow mit einem schwarzen Dach. Auto-Umschlagplatz Bremerhaven. Hier ist Platz für 96.000 Autos. Und wenn sie alle so klein sind wie der neue Suzuki Jimny, noch für ein paar mehr. Fünf Wochen war der Japaner unterwegs auf See. Unten auf dem Kai rollt er vorbei an ein paar G-Klassen, die versandfertig auf ihren Export warten. Sieht fast wie ein Familientreffen aus. "Suzuki baut den perfekten Mini-G" hatte uns Leser Achim Brandt geschrieben. Und tatsächlich, der Jimny ist ein "G", zumindest optisch.

Der Jimny widersteht dem Trend der rundgelutschten SUVs

Woher diese Sympathie? Während moderne rundgelutschte SUVs sich in Beliebigkeit übertreffen, fallen automobile Hardliner erfreulich aus dem Rahmen. Zugegeben, es verlangt einige Traute, in diesen windkanalglatten Zeiten eine Front zu bauen, die so senkrecht steht wie am neuen Jimny. Und eine so steile Frontscheibe, die Motorhaube so kantig. Das Auto hat sogar eine praktische Dachrinne. Jetzt die Knubbelblinker vom Mercedes G vorne auf die Kotflügel, fertig wäre der Baby-Benz! Dabei kopiert der Jimny in der weltweit vierten Generation nicht Mercedes, sondern sich selbst, nämlich den LJ 80, der ab 1980 nach Deutschland kam. Der wollte damals Japans Jeep sein und entsprang denselben harten, nutzwertigen Zeiten wie die G-Klasse. Nur dass sich der Jimny nie aufgepumpt hat wie der G-63-Szenepanzer, sondern sogar auf 3,65 Meter schrumpfte mit rempelfreundlichen schwarzen Planken.

Auch beim Interieur stand Unverwüstlichkeit im Lastenheft

Wo jedes SUV beim leichtesten Ditscher nach der Werkstatt schreit, wird der hartleibige Suzuki sich kurz schütteln und weiterfahren. War was? Den müssen doch irgendwann die Szenetypen entdecken, so wie sie jetzt den ehrlich veralteten Lada Niva ausgraben. Der ist schon 40 Jahre alt, während die Japaner ihren Jimny nach 20 Jahren Laufzeit zart renovierten. Es gibt jetzt Assistenzsysteme an Bord und das Infotainmentsystem aus den größeren Vitara oder Swift. Alles Beiwerk denn die Hauptrolle spielt dieses abwischfreundliche Hartplastik-Cockpit, das geradezu nach Staub schreit. Mach mich dreckig! Wenige Schalter, kaum Ablagen und zwei Rundinstrumente, die immer leuchten (Offroader rechnen wohl jederzeit damit, dass auch die Sonne ausfallen könnte). Der Jimny ist ein Auto, bei dem du unweigerlich zu einer Frage kommst: Wie viel Auto braucht der Mann?
Im Ernstfall wenig, mit nur 1165 Kilo und kurzen Überhängen kommt der Jimny offroad weiter als viele Breitreifen-SUVs. Wenn’s klemmt, legt der Fahrer am Mitteltunnel – Kraccckkks – den Hebel auf 4L, die Geländeuntersetzung, und es geht weiter. Das Können-wenn-er-müsste macht den Suzuki so seriös, was wunderbar zu seiner optischen Geradlinigkeit passt. Der Typ ist durch und durch Kante.

Im Jimny-Bug steckt noch ein klassischer Sauger

Ein Geländewagen alter Schule halt, das zeigt er auch im Alltag. Einsteigen und Hochsitzen sind bei Offroadern eine Wohltat, im Jimny auch das Rausgucken. Dass Autos noch so übersichtlich sein können, herrlich! Man dreht einen Zündschlüssel, nix Startknopf, dann rumort der Vierzylinder los. Neu im Jimny, betont Suzuki. Ein kleiner Haudegen, es geht auch moderner. Der 1,5-Liter-Sauger vibriert spürbar und dreht unwillig hoch. Das Kerlchen hat erst 35 Kilometer auf dem Tacho, da wollen wir ihn schonen. Aber so viel können wir sagen: Temperamentvoll wirkt er nicht, und der Bordcomputer zeigt 8,5 Liter Verbrauch. Die fünf Gänge wollen mit dem langen Schalthebel nicht sauber rasten. Das kurze Auto hoppelt auf Landstraßen, also keine Komfortwunder erwarten. Hoher Aufbau, schmale Spur und weichere Federn ergeben in Kurven eine unterhaltsame Seitenneigung, während die hochwandigen Dueler-Reifen nach außen rubbeln – den eingeschlagenen Kurs kann die Fuhre nicht ganz halten. Kein Wunder bei dieser Lenkung. Die Wirkung des ESP auszuloten, verschieben wir lieber auf Testtage, wenn mehr Auslaufzone mehr Sicherheit schenkt.

Allzu viel Fahrkomfort sollte man besser nicht erwarten

Moderne SUVs haben unsere Erwartungen an Geländewagen versaut. Fahren, Bremsen, Verbrauchen wie ein Pkw – kannst du im Jimny vergessen. Auch einige alltägliche Talente. Er ist nur ein Zweitürer, der Einstieg nach hinten immerhin breit genug. Was man vom Rückbänkchen kaum behaupten kann. Die Fenster hinten lassen sich nicht öffnen, die Heckklappe ist rechts angeschlagen, sodass man beim Beladen um die offene Tür herumlaufen muss. Der Kofferraum (85 Liter) fasst keinen Kasten Sprudel, dafür bilden die umgelegten Rücksitze einen praktischen Noppenboden. Lustig ist der Jimny trotzdem. Man wünscht sich sofort ein Cabrio, das es beim Vorgänger gab, oder den Turbomotor vom Suzuki Swift. Oder eine moderne Sechsstufen-Wandlerautomatik, schrieb uns Rainald Fabits aus Österreich. Oder Sitzbezüge, auf denen man weniger schwitzt. Die jetzigen überleben Atomkriege. Aber dann wäre der Jimny nicht mehr der Jimny. Viel wichtiger, dass er mit Preisen unter 18.000 Euro fast der alte bleibt.
Fahrzeugdaten Suzuki Jimny • Motor: Reihenvierzylinder, vorn quer • Hubraum: 1462 cm³ • Leistung: 75 kW (102 PS) bei 6000/min • max. Drehmoment: 130 Nm bei 4000/min • Antrieb: Hinterradantrieb Allrad zuschaltbar, Fünfganggetriebe • Länge/Breite/Höhe: 3645/1645/1725 mm • Leergewicht: 1165 kg • Kofferraum: 85-830 l • Vmax: 145 km/h • Verbrauch: 6,8 l Super • Abgas CO2: 154 g/km • Preis unter 18.000 Euro.
Autor: Joachim Staat