Schließen

Rallye Finnland —

Konter aus dem Windkanal

Bei der schnellsten Rallye des Jahres tritt Weltmeister Sébastien Ogier mit aerodynamisch überarbeitetem Ford an. Die letzte Chance, seinen Titel doch noch zu verteidigen?

Am kommenden Wochenende geht es für den fünfmaligen Weltmeister Sébastien Ogier (34, Ford) um alles. Zur Rallye Finnland, die am Donnerstag (Start um 19 Uhr) die zweite Saisonhälfte einläutet, reist der Franzose nur als Tabellenzweiter. Seit 2013 war Ogier stets als Tabellenführer zum „finnischen Schotter-Grand-Prix“ angereist. Jetzt beträgt sein Rückstand auf WM-Spitzenreiter Thierry Neuville (30, Hyundai) schon 27 WM-Punkte. „In Finnland muss der Konter kommen. Sonst wird’s eng mit der Titelverteidigung“, sagt Ogier. 
Die Wende bringen soll ein neues Aerodynamik-Paket für den Ford Fiesta WRC des Franzosen, das in Finnland erstmals eingesetzt wird. Die größten Änderungen betreffen den Diffusor unter dem hinteren Stoßfänger und die Luftauslässe aus den hinteren Radhäusern. „Damit haben wir mehr Möglichkeiten, das Auto abzustimmen“, lobt Ogier nach ausgiebigen Testfahrten in Finnland. Auf den Schotter-Pisten rund um Jyväskylä ist die Aerodynamik wichtiger als bei den anderen WM-Läufen, die Rallye Finnland ist mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit jenseits von 120 km/h regelmäßig der schnellste WM-Lauf. 
Der zu Beginn der Saison 2017 komplett neue Ford Fiesta wurde vom werksunterstützten Privatteam M-Sport ausschließlich am Computer konstruiert – ein Nachteil gegenüber den 100prozentigen Werksteams von Hyundai, Toyota und Citroën, die ihre World Rally Cars (1,6-Liter-Turbomotor, rund 380 PS, Allradantrieb) im Windkanal entwickelten. 
Dass Ogier und M-Sport trotzdem 2017 Fahrer- und Markentitel holten, grenzte an ein Wunder. Im Verlauf der ersten sieben Rallyes der aktuellen Saison verlor der Ford Fiesta allerdings immer mehr den Anschluss an die große Entwicklungsschritte machende Konkurrenz. Dann durfte M-Sport zum ersten Mal den Windkanal der offiziellen Ford-Motorsportabteilung in den USA nutzen – und kam auf ähnliche Lösungen wie Toyota, die mit Jungstar Esapekka Lappi (24) die Rallye Finnland im vergangenen Jahr gewannen.
Auf dem Programm stehen 23 Wertungsprüfungen mit einer Gesamtlänge von 317 Kilometern. Einziger deutscher Teilnehmer ist Julius Tannert (28), der im Ford Fiesta (1,0-Liter-Turbomotor, rund 190 PS, Vorderradantrieb) in der Junioren-WM startet. „Ich freue mich riesig auf die verrückteste Rallye des Jahres“, sagt der Sachse. In der Meisterschaft ist Tannert nach drei von fünf Läufen Sechster.   
Autor: Christian Schön