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Rallye Finnland —

Heimsieg für Toyota

Der Este Ott Tänak feiert zweiten Saisonerfolg vor überraschend starkem Mads Östberg. Weltmeister Sébastien Ogier wird nur Sechster, verkürzt aber Abstand zu Tabellenführer Thierry Neuville.

So nutzt man einen Heimvorteil. Das Toyota-Werksteam hat seine Basis am Stadtrand von Jyväskylä, dem Dreh- und Angelpunkt der Rallye Finnland. Dadurch darf die Mannschaft des viermaligen Weltmeisters Tommi Mäkinen (54) auf den ultraschnellen Schotterpisten im Land der 1000 Seen ohne Einschränkungen testen. Alle anderen Teams mussten sich mit drei bis fünf Testtagen für ihre World Rally Cars (rund 380 PS, Allradantrieb) zufrieden geben.
Der Sieg von Ott Tänak (30) – sein zweiter in der laufenden Saison nach der Rallye Argentinien – war  deswegen wenig überraschend. „Die perfekte Vorbereitung war das Geheimnis unseres Erfolges“, jubelte der Este, der den zahlreichen über die Ostsee angereisten Landsleuten den ersten Finnland-Sieg seit dem Erfolg von Markko Märtin (42) vor exakt 25 Jahren schenkte.
Für beinahe mehr Aufsehen sorgte Rang zwei durch Mads Östberg (30). Der Norweger, von Citroën als Ersatz für den nach einer Unfallserie mitten in der Saison gefeuerten Kris Meeke (39) angeheuert, bescherte der von Misserfolgen gebeutelten französischen Werksmannschaft das beste Ergebnis seit sieben WM-Läufen. „Unser Auto hat eine neue Vorderachsgeometrie bekommen, die Hinterachse ist seit einiger Zeit neu. Das ist jetzt das beste Auto, dass ich je gefahren bin“, lobte Östberg die Arbeit der Ingenieure.
Er schaffte es sogar, den gegen Ende der Rallye immer schneller werdenden Jari-Matti Latvala (33) auf Distanz zu halten und verhinderte so einen Toyota-Doppelsieg. „Rang drei ist gut für mein Selbstvertrauen“, gab sich der schließlich nur um 2,8 Sekunden geschlagene Finne zufrieden, der in den letzten Monaten tief in einer Formkrise steckte.
Auf durch die hochsommerliche Hitze ungewohnt trockenen Schotterpisten hatten Weltmeister Sébastien Ogier (34) und Tabellenführer Thierry Neuville (30) vom Start weg keine echte Siegchance. „Wir verlieren auf dem losen Schotter zu viel Zeit“, beschrieb Hyundai-Pilot Neuville, der am ersten Tag jeweils als Erster auf die Strecke musste, direkt gefolgt von Ogier. 
Auch an den folgenden Tagen kam Neuville – trotz dann geänderter Startreihenfolge – nie richtig in Schwung und wurde schließlich farbloser Neunter. Vier Ränge weiter vorne kam Ogier ins Ziel, allerdings nur, nachdem ihn die Teamkollegen Elfyn Evans (31) und Teemu Suninen (24) „freiwillig“ vorbei ließen. Ogier haderte mit der Fahrwerksabstimmung seines Ford Fiesta, der extra für die Rallye Finnland neue Aerodynamik-Komponenten bekommen hatte.
Dadurch machte Ogier nur sechs Punkte auf Neuville gut, der die Tabelle nun mit 21 Zählern Vorsprung anführt. Finnland-Sieger Tänak hat nun 107 Punkte und bei fünf noch ausstehenden WM-Läufen immerhin wieder geringe Titelchancen.
Julius Tannert (28), einziger deutscher Fahrer am Start der Rallye Finnland, kam auf Rang vier in der Junioren-WM ins Ziel. Der Sachse verlor durch einen Reifenschaden an seinem Ford Fiesta (rund 190 PS, Vorderradantrieb) schon auf der ersten Etappe  Zeit. Nach vier von fünf Läufen belegt Tannert Tabellenrang fünf.
Nächster WM-Lauf ist die Rallye Deutschland vom 16. bis 19. August. Im vergangenen Jahr hieß der Sieger hier – Ott Tänak, damals allerdings noch im Ford Fiesta WRC.
Ergebnis Rallye Finnland
1. Ott Tänak/Martin Järveoja (Toyota Yaris WRC) 2:35.18,1 Stunden
2. Mads Ostberg/Torstein Eriksen (Citroën C3 WRC) +32,7 Sekunden
3. Jari-Matti Latvala/Miikka Anttila (Toyota Yaris WRC) +35,5 Sekunden
4. Hayden Paddon/Seb Marshall (Hyundai i20 Coupe WRC) +1.35,6 Minuten
5. Sébastien Ogier/Julien Ingrassia (Ford Fiesta WRC) +2.15,0 Minuten
6. Teemu Suninen/Mikko Markkula (Ford Fiesta WRC) +2.19,2 Minuten
Meisterschaftsstand nach acht von 13 Rallyes:
1. Thierry Neuville (Belgien, Hyundai), 153 Punkte
2. Sébastien Ogier (Frankreich, Ford), 132 Punkte
3. Ott Tänak (Estland, Toyota), 107 Punkte
4. Esapekka Lappi (Finnland, Toyota), 70 Punkte
5. Dani Sordo (Spanien, Hyundai), 60 Punkte
6. Andreas Mikkelsen (Norwegen, Hyundai), 57 Punkte
Autor: Christian Schön