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Rallye Deutschland Vorschau —

Der dritte Mann

Mit einer Wiederholung seines Vorjahressieges würde Toyota-Pilot Ott Tänak in das Titelduell zwischen Sébastien Ogier und Thierry Neuville eingreifen. Deutscher Meister Fabian Kreim als Gaststarter in WRC2.

Macht die Rallye Deutschland, die am Donnerstagabend im saarländischen St. Wendel (19:08 Uhr) gestartet wird, die Weltmeisterschaft noch spannender? Die Saison wird bislang bestimmt vom Duell zwischen Titelverteidiger Sébastien Ogier (34, Ford, drei Siege) und dem aktuellen Tabellenführer Thierry Neuville (30, Hyundai, drei Siege). Nach dem deutschen WM-Lauf könnte daraus ein Dreikampf werden – wenn  Ott Tänak (30, Toyota, zwei Siege) seine Aufholjagd fortsetzen kann.
Der Este hat sich mit einem überlegenen Sieg bei der zurückliegenden Rallye Finnland wieder in Schlagdistanz zum Spitzenduo gebracht. „Ich denke nicht an den Titel, sondern von Rallye zu Rallye“, behauptet Tänak. Bei der Rallye Deutschland zählt der Toyota-Pilot als Vorjahressieger – 2017 noch im Ford – zu den Favoriten.
Ogier hat den deutschen WM-Lauf schon dreimal gewonnen. Doch die schwache Vorstellung auf finnischem Schotter gibt dem Franzosen zu denken. Dort rückte Ogier erstmals mit einer neuen Aerodynamik am Fiesta WRC aus (geänderte Diffusor am Heck, größere Luftauslässe an den hinteren Kotflügeln). Außerdem wechselte sein Team zu Stoßdämpfer-Hersteller ZF Sachs, den Ogier schon von seinen vier WM-Titeln mit Volkswagen kennt. 
„Trotzdem waren wir in Finnland nicht konkurrenzfähig“, rätselt Ogier, der gerade mit seinem aktuellen Team, aber auch mit Citroën über einen Vertrag für 2019 redet. Sogar ein Ausstieg aus der Rallye-WM ist denkbar. Ogiers bevorstehender Gaststart für Mercedes beim DTM-Rennen in Spielberg (21. bis 23. September) hat einige Alarmglocken schrillen lassen.
Keine Sieghoffnungen macht sich Marijan Griebel (29), einziger Deutscher am Steuer eines World Rally Cars. Doch der private Citroën des hauptberuflichen Polizisten stammt aus der Generation 2016. Im Vergleich zu den aktuellen Werksautos fehlen ihm rund 60 PS (320 statt 380), der Allradantrieb ist nicht elektronisch gesteuert und die Spoiler viel kleiner. „Ein Platz unter den Top-Ten wäre schon ein Erfolg“, bleibt Griebel realistisch.
In Kategorie WRC2 (rund 285 PS, Allrad) startet Fabian Kreim aus dem Team Skoda Deutschland. Der von AUTOBILD MOTORSPORT unterstützte zweimalige Deutsche Meister stellt sich der WM-Konkurrenz und peilt einen Platz unter den ersten fünf in der Klasse an. „Das Heimspiel ist ein Saison-Highlight“, sagt Asphalt-Spezialist Kreim, der aktuell in der Europameisterschaft antritt und dort die U28-Wertung anführt.
Mit einem technisch gleichen Fahrzeug wie Kreim, aber außerhalb der WM-Wertung, geht Roman Schwedt ins Rennen. Der 19 Jahre alte Lokalmatador aus Saarbrücken fährt im Team von Peugeot Deutschland.
Die Rallye Deutschland gilt als einer der schwierigsten WM-Läufe. Der Charakter der 18 Wertungsprüfungen (Gesamtlänge 325 Kilometer) ist extrem wechselhaft – enge, mit zahlreichen Kehren gespickte Weinbergwege entlang der Mosel, ultraschnelle Landstraßen im Saarland, dazu die reifenmordenden Betonstraßen auf dem Truppenübungsplatz Baumholder. 
Der Sieger rollt am Sonntag (ab 12:38 Uhr) über die Zielrampe in St. Wendel. Heißt er Ott Tänak, ist der Dreikampf um den Titel eröffnet.
Autor: Christian Schön