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MAN eTGE (2018): Test, alle Infos —

MAN elektrifiziert seinen Lieferwagen

MAN elektrifiziert seinen Transporter TGE, der auf dem VW Crafter basiert. Mit einer Akkuladung soll er rund 160 Kilometer schaffen. AUTO BILD hat alle Infos und ist den eTGE schon gefahren!

MAN bringt eine Elektroversion des TGE auf den Markt. Obwohl die Präsentation des eTGE erst auf der IAA Nutzfahrzeuge (20. bis 27. September 2018) in Hannover stattfinden wird, läuft die Produktion des elektrischen Transporters schon im Juli an. Gebaut wird er im polnischen Wrzesnia und ist bei Marktstart nur als geschlossener Kastenwagen erhältlich. Potentielle Kunden können ihn schon jetzt für Preise ab 69.500 Euro vorbestellen. Später sollen weitere Versionen folgen.

Bis zu 1,75 Tonnen Nutzlast

Das Hochdach sorgt für einen Laderaum von elf Kubikmetern. Wie hoch die Zuladung sein darf, hängt davon ab, ob der eTGE als 3,5- oder 4,25-Tonner zugelassen wird. Die höchste zulässige Nutzlast beträgt 1,75 Tonnen. Als technische Basis für den MAN TGE dient der Volkswagen Crafter – das ist optisch unschwer zu erkennen. Der eTGE dürfte auch einen Ausblick auf das geplante elektrische Pendant von Volkswagen Nutzfahrzeuge geben. Die Verbrennungsmotoren wurden durch einen Drehstrommotor ersetzt, dessen Höchstleistung MAN mit 100 kW (136 PS) angibt. Im Dauerbetrieb hat der Fahrer eine Leistung von 50 kW (68 PS) zur Verfügung. Wie bei Elektrofahrzeugen üblich, steht das Drehmoment von 290 Newtonmetern sofort an. Die Kraftübertragung übernimmt ein einstufiges Getriebe, das zusammen mit dem Elektromotor und der Motorsteuerung, direkt an der angetriebenen Vorderachse sitzt.

Schnelladung auf 80 Prozent in 45 Minuten

Das Antriebskonzept soll im Idealfall eine Reichweite von  ungefähr 160 Kilometern ermöglichen. Das sollte für die üblichen Einsatzzwecke ausreichen, die meisten Nutzfahrzeuge legen im städtischen Raum nämlich pro Tag weniger als 100 Kilometer zurück. Die Lithium-Ionen-Batterien, die übrigens auch im E-Golf von VW zum Einsatz kommen, sitzen beim eTGE unter dem erhöhten Ladeboden und sollen an einem Stromanschluss mit einer Leistung von 7,2 kW in rund fünfeinhalb Stunden vollgeladen sein. An einer Schnellladestation (40 kW) soll der anfangs leere Akku nach 45 Minuten zu 80 Prozent gefüllt sein. Der eTGE verfügt für einen Lieferwagen über eine sehr umfangreiche Serienausstattung: Komfortsitze, Klimaautomatik, Sitzheizung und LED-Scheinwerfer sind immer an Bord. Auch an Assistenzsystemen mangelt es nicht: Eine Rückfahrkamera, ein Umfeldbeobachtungssystem und ein Notbremsassistent gehören schon zur Basisausstattung.

Der eTGE beschleunigt flott auf 90 km/h

Beim Einstieg in den Elektro-Lieferwagen könnte man im ersten Moment meinen, man säße im normalen TGE mit Verbrennungsmotor. Auf den bequemen Sitzen fallen beim Blick nach vorne aber die veränderten Anzeigen auf: Statt eines Drehzahlmessers hat der eTGE eine Power-Anzeige an Bord – sie zeigt an, wie viel Kraft im Moment zur Verfügung steht. Die klassische Tankuhr wurde durch eine Ladezustandsanzeige ersetzt. Das konfigurierbare Display in der Mitte zeigt die verbleibende Reichweite der Batterien an. MAN gibt die Reichweite mit etwas über 160 Kilometern an. Bei den hohen Außentemperaturen von 32 Grad während der Testfahrt dürften eher 120 Kilometer realistisch sein. Sobald man den Wählhebel des stufenlosen Automatikgetriebes auf D geschoben hat, kann es losgehen. Auffälig: Das Gaspedal braucht einen ziemlich starken Tritt, um den tonnenschweren Stromer in Bewegung zu setzen. Sobald der eTGE aber erst mal rollt, beschleunigt er flott auf die Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h. Ja, Höchstgeschwingigkeit: Da der eTGE speziell für den Einsatz in Großstädten entwickelt wurde, dürfte Tempo 90 locker ausreichen. Hebt man den Gasfuß, bremst der elektrische TGE durch die Rekuperation sanft selbstständig ab. Für ein reines Nutzfahrzeug fährt sich der eTGE mit seiner Ruhe im Innenraum und der komfortablen Fahrwerksabstimmung sehr angenehm.
Autor: Elias Holdenried