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IndyCar: Wickens mehrfach operiert —

American Dream wird zum Albtraum

Robert Wickens' Horrorcrash in der IndyCar-Serie ging um die Welt. So geht es dem Kanadier und das ist der Mann hinter dem Mega-Unfall:

Der erste Schock ist vorüber, die Sorgen um Robert Wickens aber gehen weiter: Der Kanadier hat sich nach seinem Horrorcrash beim IndyCar-Rennen in Pocono im Lehigh Valley Hospital in Pennsylvania mehreren Operationen unterziehen müssen.
Am Montag wurden Wickens zunächst Titanstäbe und Schrauben in die Wirbelsäule eingesetzt, um einen Brustwirbelbruch und eine Rückenmarksverletzung zu stabilisieren. Am Dienstag folgten dann Eingriffe an den gebrochenen Beinen des Kanadiers.
Auch wenn die Operationen laut Aussage der Ärzte erfolgreich verliefen, und Wickens' Zustand stabil ist, bleibt Ungewissheit über den weiteren Heilungsverlauf und eine vollständige Genesung. Vor allem die Auswirkungen der Rückenmarksverletzung sind aktuell „nicht absehbar“, heißt es in einem von der IndyCar-Serie und Wickens' Team veröffentlichten Statement.

Das ist Robert Wickens:

Mit seinem Wechsel in die IndyCar-Serie erfüllt sich Robert Wickens Anfang 2018 den amerikanischen Traum. Am vergangenen Sonntag in Pocono wird dieser zum Albtraum.
Bei weit über 300 km/h kollidiert der Rookie mit Ryan Hunter-Reay, wird vom Auto seines Konkurrenten wie von einer Rampe in die Fangzäune katapultiert. Von Wickens' Dallara-Chassis bleibt nur ein Trümmerfeld über, der Kanadier wird mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus geflogen.
Horrorcrash im Oval: Ex-DTM-Pilot mit Verletzungen
Vor dem 29-Jährigen aus dem kanadischen Guelph, nahe der Metropole Toronto, liegt nun ein langer Weg der Rehabilitation - der ihn hoffentlich eines Tages zurück ins Renncockpit führt. „Wer Robbie kennt, weiß, dass das Rennfahren sein Leben ist“, erklärt Wickens' Teamchef Sam Schmidt - der Ex-Pilot sitzt seit einem Ovalunfall 2000 in Orlando selbst im Rollstuhl und hofft, dass seinem Schützling dieses Schicksal erspart bleibt.
„Robbie im Medical Center an der Strecke mit offenen Augen zu sehen, war großartig. Das Schweigen die 40 Minuten davor viel zu lang“, macht Schmidt keinen Hehl daraus, dass Wickens nach dem Megacrash in Pocono froh sein muss, überhaupt am Leben zu sein.
Wickens selbst wird schon früh in seiner Karriere mit den brutalen Risiken des Sports konfrontiert, sein Teamkollege in der Formel 2, Henry Surtees, 2009 in Brands Hatch von einem Rad erschlagen. „Es war das schlimmste Jahr meines Lebens“, erinnert sich Wickens später. In der gleichen Saison fliegt er nach mehreren Ausfällen aus dem Red-Bull-Juniorenförderprogramm, seine Karriere steht kurz vor dem Aus.
Doch Wickens will nicht aufgeben, kämpft um seine Chance: „Meine Eltern haben ihr Haus verkauft, um mich zu unterstützen“, sagt er einmal im Gespräch mit ABMS. „Ich habe heute noch ein schlechtes Gewissen deswegen.“ Das Risiko zahlt sich aus, Wickens fährt sich zurück ins Rampenlicht: 2011 gewinnt er die damals noch renommierte Formel Renault 3.5 und macht so Mercedes auf sich aufmerksam, die ihn zur Saison 2012 in die DTM holen.
In Lederjacke und gemeinsam mit Robert Merhi und Christian Vietoris wird er als Teil des neuen Silberpfeil-Juniorenteams vorgestellt - eine Hommage an das legendäre Trio Michael Schumacher, Heinz-Harald Frentzen und Karl Wendlinger Anfang der Neunziger.
Mit fünf Siegen und 13 Podestplätzen ist Wickens' DTM-Karriere durchaus von Erfolg gekrönt. Im Angesicht von Mercedes' Ausstieg aus der Serie folgt er Ende 2017 aber dem Lockruf seines besten Freundes James Hinchcliffe zurück über den großen Teich. Gemeinsam mit seinem Landsmann formt er bei Schmidt-Petersen-Motorsports das inoffizielle Team Kanada der IndyCar-Serie.
Auch privat kommt Wickens der Schnitt gerade recht. Nach Jahren des Reisens und vielen Umzügen mit Wohnsitzen in Berlin, Stuttgart, London und Monte Carlo hat der Globetrotter über Tinder ausgerechnet am Flughafen die Frau seines Lebens gefunden: Die Youtuberin und Cosplayerin Karli Woods bringt Glamour in den grauen Rennalltag. Ende 2017 verloben sich die beiden und verlegen ihren Lebensmittelpunkt ins US-Rennsportmekka nach Indianapolis. Der Plan, sich in den USA etwas aufzubauen, geht auf: Wickens startet in der IndyCar-Serie voll durch. Fast gewinnt er beim Auftakt in St. Petersburg von der Pole aus sein erstes Rennen, wird erst in der Schlussrunde von Alexander Rossi abgeräumt. Schon beim nächsten Lauf in Phoenix rast Wickens auf Platz zwei, es folgen weitere Podestplätze (unter anderem beim Heimrennen in Toronto). Als Gesamtsechstem ist Wickens der Titel 'Rookie des Jahres' kaum noch zu nehmen. Dann kommt es in Pocono zum verhängnisvollen Crash.
AUTO BILD MOTORSPORT wünscht Robert Wickens eine rasche und vollständige Genesung!
Autor: Frederik Hackbarth