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IndyCar: Diskussion um Ovalrennen —

Wickens atmet selbstständig

Der heftige Unfall von Robert Wickens in Pocono hat die Diskussion um Ovalrennen in der IndyCar wieder neu entflammt. Gute Nachrichten vom Kanadier.

Die gute Nachricht zuerst: Robert Wickens kann rund eine Woche nach einem brutalen IndyCar-Crash in Pocono wieder selbstständig atmen, ohne medizinische Unterstützung. Und er kann mit seiner Familie sprechen. Noch unklar ist, wie stark seine Wirbelsäulenverletzung ist. Sogar das Rückenmark ist davon betroffen, eine Operation bereits erfolgt.
Sein Teamchef Sam Schmidt, der seit einem IndyCar-Testunfall in Orlando 2000 selbst querschnittsgelähmt im Rollstuhl sitzt, gibt Hoffnung. Auf die Frage, ob der 29-Jährige wieder ins Rennauto zurückkehren könnte, sagte er: „Das glaube ich und das hoffe ich.“
Gleichzeitig fordert Schmidt Sicherheitsverbesserungen bei Ovalrennen. „Ich hasse es, mich über etwas zu beschweren oder Veränderungen zu fordern, wenn ich selbst keine Lösung parat habe. Aber wir müssen etwas tun“, so Schmidt.
Die IndyCars erreichen auf Highspeed-Ovals wie Pocono aber auch Indianapolis, wo alljährlich das berühmte Indy 500 ausgetragen wird, einen Rundenschnitt von über 350 km/h – Schnitt wohlgemerkt, nicht Topspeed. Das ist rund 100 km/h schneller als die Formel 1 auf ihrer Highspeed-Strecke in Monza fährt.
Die Geschwindigkeiten zu reduzieren ist schwierig. Die Leistung der Motoren wird ohnehin für solche Rennen um fast 200 PS auf rund 500 PS gedrosselt. In Zukunft will die IndyCar zwar fast 1000 PS starke Autos, dafür aber den Abtrieb erheblich reduzieren. Das soll helfen, die Autos zu verlangsamen und schwieriger fahrbar zu machen. Mit Aerodynamik-Nachbesserungen hat die Serie außerdem versucht, das Feld etwas zu entzerren. Gab es beim Indy 500 2013 noch die Rekordzahl von 68 Führungswechseln (!), so waren es 2018 nur noch 30. Das Racing ist überschaubarer, aber immer noch spektakulär.
Derzeit geistern zwei Überlegungen durch die Diskussionen: Erstens die Safer Barriers, die in der IndyCar erfunden wurden, inzwischen aber auch in der Formel 1 zum Einsatz kommen, in Kurven auf doppelte Höhe zu ziehen. Da sitzen normalerweise auch keine Zuschauer, deren Sicht dadurch behindert werden kann. Eine weitere Option ist, die Fangzäune gegen Plexiglasscheiben wie in Eishockeystadien auszutauschen. Das Problem: Plexiglas sorgt dafür, dass die Autos anders als bei der Sicherheitsmauer auf die Strecke zurückgeworfen werden und damit eine Massenkollision auslösen können.
IndyCar-Renndirektor Jay Frye weiß: „Wir sind nicht zufrieden. Denn ein Fahrer wurde verletzt und solange bis das nicht mehr passiert, werden wir nicht zufrieden sein und weiterhin an der Sicherheit arbeiten.“
Die Fahrer bestritten am vergangenen Wochenende schon wieder das nächste Ovalrennen – allerdings in Illinois, auf einem langsameren Ovalkurs mit engeren Kurven. Will Power gewann vor Alexander Rossi und Scott Dixon – die drei führen auch die Meisterschaft an. Die zwei noch ausstehenden Rennen finden auf Rundstrecken statt.
Fernando Alonso, der 2019 aller Voraussicht nach in die IndyCar-Serie wechselt, hat den Unfall ebenfalls zur Kenntnis genommen, zeigte sich aber unbeeindruckt. Alonso: „Motorsport ist gefährlich. In allen Klassen – vom Kart bis in die IndyCar. Ich werde solche Dinge natürlich in meine Entscheidung einbinden. Aber sagen wir so: Das ist kein großes Problem.“
In der Bildergalerie zeigen wir Ihnen die heftigsten Unfälle der IndyCar bei Ovalrennen – mit Ausnahme der tödlichen Unfälle von Dan Wheldon 2011 und Justin Wilson 2015.
Autor: Michael Zeitler