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Formel E: Bilanz nach 50 Rennen —

Darum hat die Serie eine Chance verdient

Die Formel E existiert nun schon seit fast fünf Jahren, hat 50 Rennen absolviert und erlebt einen regelrechten Boom. Warum die Serie eine Zukunft hat.

65 Fahrer aus 20 Nationen, darunter sieben aus Deutschland, drei Frauen und 26 Piloten, die vorher schon Formel-1-Rennen gefahren sind. Elf Fahrer konnten ein Rennen gewinnen, 26 mindestens einmal auf das Treppchen steigen. Die Formel E fuhr bisher auf fünf Kontinenten und in 20 Städten, darunter in Berlin, Hongkong, Paris, New York und Rom. Das sind die Fakten nach 50 Rennen Formel E.
Abt zur Entwicklung der Formel E: Hier klicken
Doch Fakt ist auch: Viele Motorsport-Puristen können mit der Elektro-Formel noch nichts anfangen. Hauptkritikpunkt ist der fehlende Motorsound. Dabei ist die Formel E extrem abwechslungsreich. In vier Jahren gab es bisher vier verschiedene Meister. Kein Fahrer konnte also bisher zwei Mal den Titel erobern. Die vier Champions kommen aus vier unterschiedlichen Teams. 17 Prozent aller Fahrer konnten schon mal siegen (in der Formel 1 sind es nur 14 Prozent), 40 Prozent sogar auf das Podium klettern (in der Formel 1 sind es nur 27 Prozent).
Das hat verschiedene Gründe: Zum einen entwickeln die Hersteller ihre Autos nicht selbst, sondern beziehen sie vom Chassisbauer Spark. Nur der Motor wird selbst entwickelt. "Damit schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe", weiß Serienboss Alejandro Agag. "Wir halten die Kosten im Zaum und sorgen dafür, dass kein Team dominieren kann." Dazu kommt: Die Leistung des Motors ist ebenfalls begrenzt. Es geht also um die Effizienz.
Die Einheits-Autos können dadurch so gestaltet werden, dass sie nicht so anfällig für die sogenannte Dirty Air ist, also für die verwirbelte Luft hinter einem vorausfahrenden Fahrzeug. So hat die Formel E trotz der engen und winkeligen Stadtkurse kein Überholproblem. Audi-Pilot Daniel Abt beschreibt: "Sie sind zwar Formelautos, du kannst mit ihnen aber fahren wie mit Tourenwagen. Du kannst dich also auch etwas anlehnen, den Gegner berühren, ohne dass gleich das ganze Auto auseinanderfällt."

Zukunfts-Versprechen: Mehr Power für die Autos

Der Anspruch an die Fahrer ist groß. Training, Quali und Rennen sind auf einen Tag zusammengepresst. Da besteht schlichtweg keine Zeit für stundenlange Analysen. Das würfelt das Feld zusätzlich durcheinander. Die Stadtkurse erlauben zudem keine Fehler. Unfälle sind daher keine Seltenheit.
Zurzeit sind neun Hersteller involviert. In der neuen Formel-E-Saison steigen Porsche und Mercedes ein, dann sind es schon elf. So viele Motorbauer hatte die Formel 1 nie. Deren Rekord liegt bei zehn in den Jahren 1985 und 1986. Und mit Hyundai, Maserati, Ford und Toyota wird weiteren Konzernen Interesse an der Formel E nachgesagt.
Die Formel E geht bewusst neue Wege. Sie will ein modernes, junges Publikum anlocken – und vor allem in den Sport integrieren. So dürfen die Fans zum Beispiel für ihren Lieblingsfahrer abstimmen. Wer die meisten Votes erhält, bekommt für kurze Zeit einen Zusatzboost (Fan-Boost). Das hilft beim Überholen oder Verteidigen. Mahindra-Testfahrer Nick Heidfeld: "Wenn ich die Fans an den Strecken so sehe, dann sehe ich viele Familien und viele junge Leute. Die Formel E begeistert ein neues Publikum für den Rennsport."
Aber es gibt noch Verbesserungsbedarf. Audi-Pilot Lucas di Grassi etwa wünscht sich einen zweiten Motor an der Vorderachse, damit die 700-PS-Marke geknackt wird. Serienchef Alejandro Agag verspricht: "Bisher sind wir mit jeder neuen Fahrzeuggeneration schneller und stärker geworden. Das wird auch in Zukunft so sein."
Autor: Michael Zeitler