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Formel 1: Vettel nicht "ruhig genug“ —

Vettel flippt im Cockpit aus

Sebastian Vettel fährt in Spa von Startplatz zwei los - im Qualifying funkt mal wieder der Regen dazwischen. Aber auch Ferrari ist nicht fehlerfrei.

Ausraster kennt man diese Saison gar nicht von Sebastian Vettel. Er hat sich selbst auferlegt, nicht mehr so schnell in den roten Bereich zu kommen. Doch dieses Qualifying ließ den Hessen seine guten Vorsätze vergessen...
Die Ausgangssituation: Ferrari dominiert das Rennwochenende in Spa-Francorchamps bis zum zweiten Qualifyingabschnitt. Doch als es zählt, ist Lewis Hamilton im Regenchaos wieder vorn. Der Deutsche selbstkritisch: „Unser Timing war nicht ideal. Unser Auto war sicher schnell genug, um den ersten Startplatz zu erringen.“
Was lief schief? „Bei uns herrschte ein wenig Verwirrung, als es darum ging, Intermediate-Reifen zu holen“, verrät Vettel. „Das haben wir sicher nicht ideal gemacht. Es war auch nicht leicht, weil beide Autos gleichzeitig an die Box gekommen sind. Ich wurde dann auch noch im Verkehr aufgehalten und war im Auto sicher nicht so ruhig, wie ich es hätte sein sollen. Dazu hatte ich auf der letzten Runde, der wichtigsten von allen, ein Problem mit der Batterie, da stand mir nicht die volle Leistung zur Verfügung.“
Vettel nicht so ruhig, wie er hätte sein sollen? Die Auflösung bringt erst später ein Video von Vettels Onboard-Kamera. Darauf zu sehen: Das Auto des Heppenheimers wird aufgebockt, aber nur vorne - und dann nach vorne gezogen. Weil dahinter Räikkönens Ferrari steht. Da flippt Vettel aus, wedelt wild mit den Händen und schreit in den Funk: „Stop, Stop! Ihr zerkratzt den Unterboden! F..k!“ Doch der Mechaniker reagiert nicht gleich, also pöbelt Vettel weiter, sogar auf Italienisch. „Was macht Ihr für eine Scheiße? Hebt das Auto an, verf..t noch mal!“
Vettel richtig sauer - später erklärt er gegenüber AUTO BILD MOTORSPORT aber: „Für mich war das kein Pöbeln. Ich habe einfach gemerkt, wie der Unterboden auf dem Asphalt kratzte und wollte verhindern, dass er kaputt geht.“
Doch nicht nur Ferrari patzt im Regenchaos - auch Vettel gibt Fehler zu. „Die Verhältnisse waren wirklich seltsam, es war nicht gleichmäßig nass, feucht oder trocken, sondern ein wilder Mix aus allem. Letztlich aber spielt das alles keine Rolle. Du musstest ganz zum Schluss auf der Bahn sein, um die besten Pistenverhältnisse zu nutzen, diese eine letzte Runde musste passen, und das traf bei mir nicht zu.“
Statt vom Platz an der Sonne startet er deshalb am Sonntag hinter Lewis Hamilton nur von Platz zwei. Noch lange kein Grund aber, um den Kopf in den nassen Sand zu stecken. Denn, so verrät Lewis Hamilton: „Ferraris Longrun war am Freitag viel besser als unserer.“
Schlusswort Vettel: „Bei solchen Bedingungen hätte es auch erheblich schlechter laufen können. Wir müssen es im Grand Prix schaffen, ein Auto zu überholen, und der Wagen ist schnell genug, um das hinzukriegen.“ Immerhin: Für das Rennen ist kein Regen vorhergesagt.
Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach