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Formel 1: Stallorder bei Ferrari —

Warum war Vettel so langsam?

Ferrari verpasst beim Saisonauftakt in Melbourne das Podium. Sebastian Vettel profitiert von Stallorder gegen Charles Leclerc. Was ist bei den Roten los?

Nach Ferraris Dominanz bei den Wintertests muss sich der Australien GP für die Scuderia wie eine Ohrfeige anfühlen... Nicht nur im Qualifying, auch im Rennen können die Roten den Speed nicht mitgehen, den Mercedes vorlegt.
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Sebastian Vettel wird mit 57 Sekunden Rückstand Vierter, sein Teamkollege Charles Leclerc knapp dahinter Fünfter. „Problem hatten wir keins, wir waren einfach nicht schnell genug“, resümiert Sebastian Vettel. „Ich hatte im letzten Drittel keinen Speed mehr in den Reifen.“ Eine Tatsache, die der Heppenheimer noch untertrieben formuliert. Sein Ferrari SF70 ist im letzten Renndrittel so langsam, dass Max Verstappen an ihm vorbeifliegt, als hätte er 100 PS mehr.
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Eine mögliche Ursache: Vettel kam als erster Top-Pilot zum Reifenwechsel. Das hat sogar Mercedes überrascht. „Warum Sebastian so früh gestoppt hat, wissen wir nicht“, stellt auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff fest. Vettel aber glaubt: „Auch wenn wir später reingekommen wären, hätten wir hinten raus Probleme gehabt.“ Und weiter: „Ich war das ganze Wochenende lang nicht happy mit der Balance des Autos, konnte nicht damit spielen. Schon zu Beginn waren wir zu langsam und das wurde immer schlimmer.“
Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gibt zu bedenken: „Nach den Tests haben wir das nicht erwartet. Ganz sicher haben wir hier nicht das wahre Potential unseres Autos gesehen. Das erkennt man daran, dass unser Abstand nach hinten plötzlich kleiner ist und der nach vorne viel zu groß.“ Eine Lösung hat man bei Ferrari noch nicht. Aber, so Binotto: „Der Asphalt in Barcelona ist glatter und die Bedingungen waren anders. Wir müssen jetzt demütig bleiben und alles analysieren. Es ist unsere Pflicht in Bahrain stark zurückzukommen.“
RTL-Experte Timo Glock: „Das tut schon weh, wenn man nach einer dominanten Testwoche mit so einem Rückstand aus dem ersten Rennen kommt. Andererseits ist Melbourne eine spezielle Strecke, das könnte in Bahrain schon wieder anders aussehen.“
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Glaubt auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff: „Ferrari wird sich aussortieren, die sind mit dem Setup in eine falsche Gasse abgebogen. Die Pace in Barcelona war schnell, das haben wir gesehen.“
Immerhin: Ferrari hat Vettel zwei wichtige Punkte gesichert. Obwohl am Ende auch Teamkollege Leclerc auf einer Einstopp-Strategie mit den harten Reifen schneller war, durfte er nicht vorbei. „Ich finde das nur konsequent“, sagt Glock. „Mattia Binotto hat angekündigt, dass Seb die Nummer eins ist, das zieht er jetzt durch.“ Leclerc muckt nicht auf. „Das Auto war heute schwierig zu fahren“, sagt er. „Erst in meinem zweiten Stint wurde es besser, aber das Team hat entschieden die Positionen einzufrieren. Am Ende gab es nichts zu gewinnen. Ich verstehe das.“ Muss er auch: Vettel war am gesamten Wochenende durchschnittlich zwei Zehntelsekunden pro Runde schneller, machte im Gegensatz zu Leclerc keine Fehler. Der Monegasse verbremste sich in seiner Qualifyingrunde und rumpelte auch im Rennen durchs Gras.
Außerdem riskierte Ferrari Vettels Rennen, als man ihn früh zum ersten Stopp holt und so versucht Lewis Hamilton aus der Reserve zu locken. Da ist es nur logisch, dass die Scuderia Vettel nicht für die eigenen Fehler bestraft - sondern im Gegenteil: Vettel sogar stärkt!
Der Hesse nimmt das Geschenk seines Teams dankend an: „Ich wusste, dass Charles schneller ist. Unter normalen Bedingungen wäre er durch. Ich hätte ihn nicht halten können.“
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Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff