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Formel 1: Mythos Ferrari —

Vettel lässt Enzo Ferrari weiterleben

Ferrari reist zum Heimrennen nach Monza. Enzo Ferrari ist hier auch 30 Jahre nach dem Tod allgegenwärtig. Ein Portrait von Enzo Ferrari.

Es ist der Spätsommer 1988. Enzo Ferrari schließt für immer seine Augen. Ausgerechnet vor dem Italien-GP in Monza, dem Heimrennen von Ferrari. Die Saison läuft für die Scuderia Ferrari mittelprächtig. McLaren dominiert, hat bis Monza alle Rennen gewonnen. Doch in Monza jubelt plötzlich Gerhard Berger, der letzte Fahrer, den Enzo Ferrari noch persönlich unter Vertrag genommen hat. „Es war, als hätte er mich vom Himmel aus gelenkt“, sagt Berger nach dem Rennen.
Jetzt, 30 Jahre später, scheint Enzo Ferrari wieder vom Himmel aus zu lenken – und zwar Ferrari zurück in die Erfolgsspur. Elf Jahre nach dem letzten Titelgewinn ist Sebastian Vettel im Ferrari ein ganz heißer Titelkandidat. Für AUTO BILD MOTORSPORT ließ sich Vettel exklusiv mit einem Bild von Enzo Ferrarifotografieren. Das Bild gibt’s in der aktuellen Ausgabe ab heute in AUTO BILD am Kiosk.
Vettel sagt dort: „Es ist etwas Besonderes, für Ferrari zu fahren. Enzo ist immer noch lebendig, durch die Menschen, die seine Autos bauen. Er war eine extrem starke Persönlichkeit mit großer Passion. Er hat nicht nur sich einen Traum verwirklicht, sondern den einer ganzen Generation.“
Die Emotionen rund um die Legende wirken auch bei Vettel. „Enzo Ferrari hat mal gesagt: Leidenschaft kann man nicht beschreiben, sondern die muss man erleben“, beschreibt er. „Das, wofür Ferrari im Rennsport steht, ist etwas ganz Eigenes, etwas Magisches. Da bekomme selbst ich noch weiche Knie.“
Als Niki Lauda im Ferrari fast verbrannte, aber für Ferrari auch zwei WM-Titel holte, fiel ihm auf: „Normalerweise müsste man sagen: Jeder Ferrari ist auch nur ein Stück Blech. Aber in seinen Autos lebt Enzo Ferrari weiter – der große alte Mann, der macht den Unterschied.“
Enzo Ferrari ist sagenumwoben. Das geht schon bei der Geburt los. Am 18. Februar 1898 erblickt er das Licht der Welt – in einem norditalienischen Bergdorf. Das ist wegen eines Schneesturms eingeschneit. Erst zwei Tage später wird er gemeldet. Der Geburtstag ist damit offiziell der 20. Februar.
Ferrari ist schon früh von den Verbrennungsmotoren fasziniert, wird erst Fahrzeugschlosser, dann Rennfahrer. Fiat, heute Mehrheitsbesitzer von Ferrari, lehnt ihn noch ab. Also baut er sich aus Ersparnissen ein eigenes Auto zusammen und fährt damit erste Rennen. Erfolgreich. Und das wird sein Durchbruch. Erst dockt er bei CMN (Construzioni Meccaniche Nazionale), dann bei Alfa Romeo an. Er ist ein guter Rennfahrer: 1920 beendet er das berühmt berüchtigte Straßenrennen Targa Florio in Sizilien auf Platz zwei, 1924 gewinnt er die Coppa Acerbo, ein GP-Rennen in Pescara.

Als würdest du dem lieben Gott gegenübersitzen

1929 gründet Enzo Ferrari sein eigenes Team. Jahrelang ist er das Werksteam von Alfa Romeo, hat aber gegen die übermächtigen deutschen Teams von Mercedes und Auto Union kaum eine Chance. Alfa Romeo und Ferrari zerkrachen sich, 1947 baut er eigene Rennwagen. Es ist der Start einer einmaligen Karriere. Die Scuderia Ferrari ist bei 962 von 989 Formel-1-Rennen dabei gewesen, führt mit 234 Siegen sowie 15 Fahrer- und 16 Konstrukteurstiteln alle Rekordlisten an.
Als Teamchef dirigiert Enzo das Team aber meist von zuhause aus. Er kommt fast nie zu Rennen, steigt niemals in ein Flugzeug, verlässt Italien kein einziges Mal. Bei Testfahrten kommt der Mann mit der dunklen Brille aber oft vorbei. Und nicht selten fordert der notorische Schürzenjäger die Mechaniker auf, auf der Hausstrecke in Fiorano mittags die V12-Motoren aufzudrehen. Damit seine weiblichen Bekanntschaften auch in Fahrt kommen…
Fast jeder Rennfahrer will eines Tages für Ferrari fahren. Berger: „Mir tut jeder Rennfahrer leid, der nie bei Ferrari war!“ Und: „Wenn du in seinem Büro warst, war das, als würdest du dem lieben Gott gegenübersitzen.“
Mehr zum Mythos Ferrari gibt es ab heute in AUTO BILD MOTORSPORT, als Heft in AUTO BILD am Kiosk.
Autor: Michael Zeitler