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Formel 1: Kolumne zum Italien GP —

Berger erklärt den Vettel ohne Maske

Ex-Ferrari-Pilot Gerhard Berger erinnert sich für ABMS an seinen emotionalen Sieg in Monza 1988 - und an den Toro-Rosso-Triumph 2008.

In Monza erlebte ich zwei Highlights. Vor dreißig und vor zehn Jahren. 1988 gewann ich den Großen Preis von Italien. Kurz zuvor war Enzo Ferrari gestorben. Als ich oben auf dem Podest stand, bekam ich Gänsehaut. Ich musste an den alten Mann denken. Ich konnte überhaupt nichts dagegen tun. Es war, als hätte Gott mich zum Sieg gelenkt.
2008 war genauso intensiv. Ich stand zusammen mit Sebastian Vettel oben auf dem Podium. Ich als Repräsentant von Toro Rosso, er als Sieger des Rennens. Es war sein erster Erfolg in der Formel 1. Es war vielleicht mein größter und emotionalster Moment in meiner gesamten Motorsportkarriere, da oben mit diesem tollen Burschen zu stehen und mich mit ihm zu umarmen. Ich wusste, er wird die WM gewinnen, irgendwann.
Sebastian ist im positiven Sinne verbissen, er will immer siegen. Ein dritter Platz ist ihm nicht gut genug. Da erinnert er mich total an Ayrton Senna. Ein weiteres großes Plus ist: Sebastian versucht trotz des Erfolges immer noch besser zu werden. Er ist immer sehr fokussiert, in den Meetings aber gleichzeitig auch konstruktiv. Das zeichnete ihn damals in seiner Jugend schon aus.
Er sah damals aus wie 16, dachte aber schon wie ein Dreißigjähriger. Es stimmt: Sebastian hat bereits mit seinen 19 Jahren bei Toro Rosso gedacht wie ein reifer Erwachsener. Er war und ist immer seiner Zeit voraus. Er kann extrem gut auch unter Wahnsinnsdruck Topleistung bringen. Wie Senna oder ein Schumacher treibt er sein Team an.
Ferraris Stärke in dieser Saison hat viel mit ihm zu tun. Sebastian hat seine gründliche Arbeitsweise, die auch Michael Schumacher hatte, zu Ferrari gebracht und das tut Ferrari gut. Er versucht dabei so gut wie möglich seine Emotionen zu unterdrücken und immer sachlich zu bleiben. Sebastian macht dabei immer ein freundliches Gesicht, aber hinter dieser Maske kann er ganz schön hart sein.
Er ist viel zu intelligent, um sich von Emotionen leiten zu lassen. Das bringt das Team letztendlich nach vorne. Und wenn er die Chance schnuppert, aufs Podium fahren zu können, oder sogar zu gewinnen, dann schlägt er erbarmungslos zu. Das war das letzte Mal bei seinem Sieg in Spa so. Sebastian Vettel kann im WM-Kampf den Unterschied machen. Vom Gesamtpaket her, also von der Summe Technik und Fahrer, ist Ferrari im Moment vor Mercedes. Auch wegen Sebastian.
Von Gerhard Berger
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