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Formel 1: Junioren-Problem —

Wolff will drittes Auto

Es gibt zu viele Fahrer für zu wenig Cockpits. Viele hoffnungsvolle Junioren bleiben daher auf der Strecke. Mercedes-Sportchef Toto Wolff bringt eine Idee auf den Tisch.

Verrückt: Trotz ansprechenden Leistungen dürften die beiden Mercedes-Junioren Esteban Ocon und George Russell auf dem Transfermarkt für die Saison 2019 zwischen Stuhl und Bank fallen. Auch Ferrari hatte für 2018 Probleme, Platz für beide Nachwuchsfahrer Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi zu finden.
Die Problematik hat drei Gründe: Erstens gibt es nur 20 Cockpits – zu wenig für zu viele gute Fahrer. 1989 waren es noch 39 Plätze. Zweitens ist das Formel-1-Eintrittsalter heute viel niedriger als noch vor 20 oder 30 Jahren. Das heißt auch: Piloten bleiben heute länger in der Formel 1. Und drittens kaufen sich viele reiche Fahrer wie Lance Stroll und Marcus Ericsson in Mittelfeldteams ein.
Mercedes-Sportchef Toto Wolff hat eine Lösung: „Sie ist ganz einfach. Gebt uns die Möglichkeit, ein drittes Auto einzusetzen. Schreibt im Reglement vor, dass in einem dritten Auto ein junger Fahrer sitzen muss, der nicht mehr als zwei Jahre Formel-1-Erfahrung haben darf. Die Kosten wären überschaubar. Wir hätten wieder ein volles Feld und wir hätten diese Talente, die sich mit den großen Stars dieser Welt messen könnten.“
Drei Autos pro Teams wären nicht neu in der Formel 1. Seit 1963 gilt zwar, dass ein Team maximal nur zwei Fahrzeuge einsetzen darf, doch gab es viele Klauseln, die es den Teams erlaubten, diese Regel zu umgehen. Zuletzt setzte Renault 1985 beim Deutschland-GP einen dritten Rennwagen für François Hesnault ein. In den 50er Jahren kamen Teams wie Ferrari und Maserati teilweise mit bis zu sieben Autos zu den Grands Prix! 
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Allein: Wolff vergisst die Nachteile des Drei-Wagen-Systems. Die kleinen Teams haben dann noch weniger Chancen, mit starken Ergebnissen zu beeindrucken. Zwar erwägt Formel-1-Besitzer Liberty Media die Ausweitung der Punkteplätze über die aktuellen zehn Ränge hinaus, aber wirklich Aufmerksamkeit erhaschen die Teams und deren Sponsoren nur dann, wenn sie weit vorn landen, etwa auf dem Podium. Wolff weiß daher: „Die Idee wird wahrscheinlich nicht umgesetzt. Aber sie gefällt mir.“
Die beste Lösung für das Juniorenproblem wäre: Reduzierung der Kosten, Anwerben von neuen Rennställen. Neue Teams sind derzeit weit und breit nicht in Sicht.
Autor: Michael Zeitler