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Formel 1: Hamilton glaubt an Ferrari-Tricks —

Rennleiter kontert Hamilton

Lewis Hamilton muss sich in Spa Sebastian Vettel geschlagen geben - und schmollt danach. Warum der Brite sauer ist und was die F1-Experten sagen.

Kann da einer etwa nur schwer verlieren? Lewis Hamilton jedenfalls schmollt nach Platz zwei und dem Überholmanöver durch Sebastian Vettel in Spa. Erst schleicht er im Parc Fermée demonstrativ um Vettels Ferrari. Danach sucht er auch verbal nach Erklärungen: „Vettel hat mich auf der Geraden einfach aufgeschnupft. Die haben offenbar ein paar Tricks im Auto. Ich habe gemacht, was ich konnte...“
Tricks im Auto? Immer wieder gibt es Gerüchte über ein spezielles System, das Ferrari im Motor hat - und womit die Scuderia insbesondere auf den Geraden schneller ist. Allein: Bei den Topspeedmessungen in Spa liegt Mercedes vorne. Hamilton erreicht bei der sogenannten Race Speed Trap 322,3 km/h, Vettel „nur“ 313,1. Auch bei den maximalen Geschwindigkeiten im ersten Sektor liegt Mercedes vorn. Valtteri Bottas schafft da 345 km/h, Hamilton 334. Vettel ist bei dieser Messung mit 320,6 km/h sogar Letzter. Bei allen Messungen ohne den verstellbaren Heckflügel DRS liegen Ferrari und Mercedes auf Augenhöhe.
Trotzdem sagt Hamilton: „Ich wusste, dass sie einen großen Motorvorteil haben. Obwohl ich in seinem Windschatten war, konnte ich nicht aufholen.“
Inzwischen ist der amtierende Champion zwar zurückgerudert. Keineswegs wolle er Ferrari illegale Tricks unterstellen. Formel-1-Rennleiter Charlie Whiting will das trotzdem so nicht stehen lassen. „Wirklich amüsant“, kontert der Brite. „Denn wir wissen ziemlich viel über den Ferrari. Lewis kann gar nichts darüber wissen. Ferrari leistet derzeit einfach gute Arbeit und Mercedes muss versuchen, ein Gegenmittel zu finden.“
RTL-Experte Christian Danner glaubt: „Lewis ist angefressen, weil er sieht, dass Ferrari insgesamt mit dem Auto einen Vorteil hat, und zwar in allen Bereichen, nicht nur beim Motor. Wenn man sich in den Jahren daran gewöhnt hat, 40 PS mehr zu haben, ist es schwer zu akzeptieren, dass beide Teams jetzt auf Augenhöhe sind.“
Sky-Experte Anthony Davidson hat ebenfalls eine Erklärung für Hamiltons schlechte Laune: „Die bessere Power wird auch in Monza entscheidend. Danach kommt Singapur wo Mercedes immer Probleme hatte. Er sieht schon vor sich, wie sein Vorsprung aufgefressen wird.“
Mercedes-Sportchef Toto Wolff warnt deshalb: „Wir sind zu langsam auf den Geraden, auch fehlt es an Traktion. Wir sind nicht, wo wir sein sollten, auch in langsamen Zonen nicht. Und wir haben Blasenbildung auf den Reifen. Ich sehe nicht viel Positives heute.“
Dazu kommt ein Vettel in Bestform. „Seb war stark heute“, zieht Hamilton den Hut. „Er hat keine Fehler gemacht, dann ist er schwer zu schlagen.“ Dem Briten schwant Böses. „Auch wenn ich heute nur sieben Punkte verloren habe: Minus sieben Punkte in allen nächsten Rennen, dann sind es ganz schön viele Punkte. Und wenn wir so weitermachen wie heute, werden es jedes Mal minus sieben Punkte sein.“
Autoren: Bianca Garloff, Ralf Bach, Frederik Hackbarth