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Formel 1: Force India darf starten —

Die Folgen des Force-India-Krimis

Force India heißt fortan 'Racing Point Force India'. Das umstrukturierte Team darf schon ab Spa starten - verliert aber alle bisherigen WM-Punkte!

Der Krimi um Force India ist vorerst beendet. Das Team darf unter dem Namen „Racing Point Force India“ für den Rest der Saison an den Start gehen. Heißt aber auch: Das Rosa-Team verliert alle WM-Punkte aus den bisherigen Rennen - und damit auch erhebliche Summen TV-Geld.
Aber der Reihe nach. Was ist passiert? Nach dem Verkauf an eine Investorengruppe um den kanadischen Milliardär Lawrence Stroll vor zwei Wochen stellten sich einige Teams quer. Das Problem: Stroll hätte eigentlich die Gesamt-Gesellschaft kaufen müssen, die Force India betreibt. Das war in der Kürze der Zeit aber nicht möglich. Unter anderem, weil mehrere indische Banken, bei denen "Vorbesitzer" Vijay Mallya in der Kreide steht, den Deal nicht ohne längere Prüfung abgenickt hätten.
Deshalb haben Stroll und Co. zwar das gesamte Eigentum von Force India inklusive Fabrik und Autos gekauft - nicht aber die Lizenz zum Fahren. Und das in der Hoffnung, dass alle Teams mitspielen.
Taten aber nicht alle. Renault, McLaren und Williams waren der Meinung, Force India sei nun ein neues Team und müsse auch so behandelt werden. Der Kompromiss: Force India bekommt alle bisherigen Punkte gestrichen und darf erst ab Spa neue Zähler sammeln.
Force Indias bisheriger Geschäftsführer Otmar Szafnauer wird seine Rolle behalten und zusätzlich als Teamchef fungieren. Von Vize-Teamchef Robert Fernley hat sich der neu formierte Rennstall indes getrennt.
Der Force-India-Skandal hat aber weitere Folgen, besonders was den Fahrermarkt betrifft. Gibt es eine Einigung, kommt das "Fahrer-wechsel-dich-Spiel" ins Rollen. Das sind die Betroffenen:
LANCE STROLL: Der Sohn vom Klamotten-Mogul Lawrence Stroll ist der einzige Grund, warum Big Daddy Force India kaufte. Lance fühlt sich nicht mehr wohl bei Williams. Schon nächste Woche in Monza, spätestens aber im nächsten Jahr, dürfte Stroll junior Esteban Ocon bei Force India ersetzen. 
ESTEBAN OCON: Der Franzose hinge dann in der Luft. Es wird spekuliert, dass der Mercedes-Junior von seinem Interessensvertreter Mercedes-Sportchef Toto Wolff für Stoffel Vandoorne bei McLaren untergebracht wird. Der Belgier hat nach Informationen von ABMS vor vier Wochen in Ungarn die "Kündigung" von McLaren erhalten. Aber erst für 2019. Für dieses Jahr hat er noch einen festen Vertrag, der juristisch nur sehr schwer zu sprengen ist. Ohne Alternative wird Vandoorne kaum auf einen Deal eingehen. Sein Rettungsanker könnte 2019 Sauber sein. Kontakte bestehen bereits. Mercedes-Junior George Russel hat nun eine Alternative weniger. Eigentlich wollte Mercedes den Briten bei Force-India parken. Aber dort sind die Plätze für 2019 mit Stroll und Sergio Perez besetzt. Bleibt hat nur noch Williams als Alternative für 2019. Das ist aber eher unwahrscheinlich, weil der Einfluss, den Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff einst bei Williams hatte, gesunken ist. Das britische Traditionsteam scheint kurzfristig eher auf den Polen Robert Kubica und langfristig auf den Russen Nikita Mazepin zu setzen, dessen Vater Force India ebenfalls kaufen wollte und nun bei Williams die einzige Chance hat, seinem Sohn ein Cockpit zu finanzieren. Russels einzige Chance: Dass Mazepin jr. in der GP3 (derzeit Vierter) noch nicht genügend Punkte für die Superlizenz holt.
LANDO NORRIS: Der McLaren-Junior wird am Freitag in Spa für McLaren testen. Bis 30. September hat McLaren Zeit, ihm einen Formel-1-Platz zu garantieren. Egal wo. Ansonsten ist er frei. Tendenz: Wenn Norris bei den Tests überzeugt, wird McLaren die Option ziehen und ihn 2019 an der Seite von Carlos Sainz fahren lassen. Ansonsten ist er eine Option für Toro Rosso, wo Jean-Eric Vergne nach Aussage der Verantwortlichen keine Rolle spielt.  
Bleiben die Ferrari-Junioren Charles Leclerc und Antonio Giovinazzi. Leclerc, der sich lange Zeit Hoffnungen auf einen Ferrari-Platz 2019 gemacht hatte, wird Sauber - so erfuhr ABMS - definitiv verlassen und wohl Romain Grosjean beim Ferrari-Team ersetzen. Giovinazzi streitet sich mit Vandoorne um das dadurch freie Sauber-Cockpit.
Autoren: Ralf Bach, Bianca Garloff