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Formel 1: Ferrari in der Klemme —

Vettel verteidigt Ferrari

Nächster Dämpfer für Sebastian Vettel: Der Ferrari-Star wird mit schlechter Strategie in Singapur nur Dritter - und fällt im WM-Kampf immer weiter zurück.

Diese Miene sprach Bände. Sebastian Vettel saß so ratlos und zerknirscht in der Pressekonferenz zum Singapur GP, dass RTL-Boxengassenreporter Kai Ebel ihn sogar auffordern musste, nicht so böse zu gucken. Vettel grinste kurz, dabei war ihm gar nicht zum Lachen zumute.
Es läuft nicht rund bei Ferrari. Wieder startet die Scuderia gut in ein Wochenende, wieder steht am Ende trotzdem ein noch größerer Rückstand auf Vettels WM-Rivale Lewis Hamilton zu Buche. Der Brite siegt auch in Singapur, Vettel wird nur Dritter - und sieht sich danach bestätigt:
„Ich habe vor dem Wochenende gesagt, dass wir uns nur selbst schlagen können. Hier haben wir nicht alles aus unserem Paket rausgeholt. Das Ziel war sicher nicht, Dritter zu werden, vor allem nicht auf diese Art und Weise. Mit Sicherheit ist es kein guter Tag, wenn man Punkte einbüßt.“
Dabei geht der Tag gut los. Am Start schnappt sich Vettel höchst spektakulär Platz zwei von Max Verstappen. Doch dann geht das Ferrari-Dilemma los. Erst versteht die Scuderia einen Funkspruch falsch. Statt Lewis Hamilton damit zu zitieren, dass seine Reifen noch gut sind, berichtet Vettels Renningenieur Riccardo Adami das Gegenteil. Immerhin: Vettel weigert sich das zu glauben. 
Trotzdem entscheidet sich Ferrari zu einem viel zu frühen Reifenwechsel, will Mercedes mit dem Undercut unter Druck setzen. Die falsche Strategie. Vettel hängt nach seinem Stopp hinter Force-India-Pilot Sergio Perez fest, fällt dadurch sogar wieder hinter Verstappen zurück, statt Hamilton zu attackieren. 
Ferraris Risiko wird zum Bumerang. „Wenn es nicht klappt, ist es immer leicht zu kritisieren. Aber ich werde mein Team immer verteidigen“, sagt Vettel. Der Deutsche stellt sich demonstrativ hinter sein Team.
„Aus dem Auto raus ist es natürlich schwer, alles zu überblicken. Aber als ich den Call zum Stopp bekam, war ich happy damit. Wir brauchten dann eine Mega-Outlap. Ich habe getan, was ich konnte. Aber es war nicht genug“, so der Heppenheimer.
Verstappen kann sich nach seinem Stopp auf der Innenbahn in Kurve eins knapp vor Vettel halten - für den Deutschen ist das Rennen anschließend gelaufen. Vettel: „Ich hatte wenig Hoffnung, dass mit den Reifen noch viel geht bis zum Ende.“ Grund: Beim Stopp zieht Vettel ultraweiche Reifen auf, während die Gegner auf die härtere und länger haltende Soft-Mischung setzen. Der nächste Fehler. 
Damit sitzt der Ferrari-Star in der Falle: „Bei einem weiteren Stopp wäre es ohne Safety-Car praktisch unmöglich gewesen, besser als Sechster abzuschneiden. Deswegen habe ich ab da nur noch probiert mich über Wasser zu halten.“ In der WM wird genau das aber langsam schwer.
40 Punkte beträgt Vettels Rückstand bei noch sechs ausstehenden Rennen. Hinzu kommt: Der Deutsche macht die Schlappe in Singapur nicht nur am Strategie-Pech fest. „Der große Rückstand im Ziel zeigt ja, dass wir einfach nicht schnell genug waren. Auch wenn unsere Entscheidung natürlich einen großen Einfluss darauf hatte, wie lange wir dann mit welchen Reifen unterwegs waren, müssen wir das jetzt verstehen. Platz drei ist nicht, wo der Speed unseres Autos hingehört.“
Autor: Frederik Hackbarth