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Formel 1: Ferrari gewinnt in Spa —

Vettel mit Sieg aus der Sommerpause

Sebastian Vettel gewinnt das erste Rennen nach der Sommerpause vor Lewis Hamilton und holt im WM-Duell auf. Spektakulärer Startcrash in Spa.

Welch ein Konter von Sebastian Vettel! Nach Lewis Hamiltons Pole-Position im verregneten Qualifying schlägt der Ferrari-Star im trockenen Rennen am Sonntag eindrucksvoll zurück. Der Deutsche holt beim Großen Preis von Belgien seinen fünften Saisonsieg und verkürzt den Rückstand auf Lewis Hamilton auf 17 Zähler. Mehr als Rang zwei ist für den Briten bei einer souveränen Vorstellung von Vettel nicht drin. Auf Rang drei landet Red-Bull-Pilot Max Verstappen.
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Mit seinem 52. Grand-Prix-Sieg überholt Vettel in dieser Statistik F1-Legende Alain Prost. "Wow", sagt Vettel ungläubig als er davon erfährt und ringt nach Worten. Den Grundstein für seinen dritten Sieg in Spa legt Vettel schon in Runde eins. "Mein Start war gut. In Kurve eins hat mich Lewis bisschen nach links gedrückt, aber ich wusste, meine Chance kommt später oben am Hügel", sagt Vettel.
Am Ende der Kemmel-Geraden schnappt sich der Deutsche Hamilton. "Letztes Jahr hat es dort immer knapp nicht gereicht, dieses Mal war das Timing aber perfekt", freut sich Vettel. Im ersten Stint bleibt Hamilton noch knapp dran am Ferrari-Star. "Vor allem kurz vor dem Boxenstopp war Lewis sehr schnell. Erst die letzten 15 Runden hat er dann nicht mehr gepusht und ich konnte das Rennen kontrolliert nach Hause fahren."
Hamilton indes zeigt sich von Ferraris Pace beeindruckt: "Glückwunsch an Seb. Auf der Geraden konnte er an mir vorbei fahren als wäre ich gar nicht da. Wir müssen jetzt hart pushen, um wieder aufzuholen."
So lief das Rennen: Typisch Spa. Schon der Start ist spektakulär. Nico Hülkenberg verschätzt sich vor La Source und räumt Fernando Alonso ab, der über Charles Leclerc abhebt. Der Deutsche erhält dafür nach dem Grand Prix eine Rückversetzung um zehn Startplätze für das nächste Rennen in Monza und drei Starfpunkte.
Noch bevor das Safety-Car nach dem Crash rauskommt, schnappt sich Vettel Hamilton. Der Brite kommt zwar beim Anfahren besser weg. Doch nach Eau Rouge nutzt der Ferrari-Star seinen Geschwindigkeitsüberschuss und überholt Hamilton. Dahinter will Esteban Ocon vom doppelten Windschatten profitieren und an beiden WM-Rivalen vorbeiziehen. Doch sowohl Vettel als auch Hamilton bremsen so spät, dass der Franzose im Force India noch hinter seinen Teamkollegen Perez auf Rang vier zurückfällt.
Wichtig danach: Auch den Restart gewinnt Vettel, kann sich anschließend sofort absetzen. Sein Teamkollege Kimi Räikkönen ist dagegen nach einer Berührung mit Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo beim Start schon raus. Dafür startet Verstappen die große Aufholjagd. In Runde sieben kassiert er Ocon, ist schon Vierter. Wenig später ist auch Sergio Perez fällig - und schon liegt der Holländer bei seinem Heimrennen - von Platz sieben gestartet - auf einem Podiumsplatz.
Vettel und Hamilton liefern sich indes einen hochkarätigen Schlagabtausch. Der Abstand pendelt sich zunächst bei drei Sekunden ein, dann versucht Hamilton mit einem früheren Boxenstopp den Undercut. Doch Ferrari bleibt cool, kontert eine Runde später, Vettel bleibt vorn. Und er kann sich anschließend leicht absetzen, fährt einen Abstand von zehn Sekunden raus.
Der zweite Mercedes von Valtteri Bottas wird von hinten gestartet immerhin Vierter. Dahinter kommen die rosa Point-Racing-Renner von Force India als Fünfter (Perez) und Sechster (Ocon) ins Ziel.

So lief das Qualifying:

Regenkrimi im Qualifiying zum Großen Preis von Belgien in Spa! Pünktlich zum dritten und entscheidenden Abschnitt des Zeittrainings beginnt der Regen. Und wie schon in Deutschland und im Qualifying von Ungarn ist der Wettergott auf der Seite von Mercedes. Kurz vor Schluss brennt Lewis Hamilton bei nachlassender Nässe die schnellste Runde in den Asphalt. Der Weltmeister holt damit seine 78. Pole und die fünfte in Spa. Hamilton: „Das war eines der härtesten Qualifyings, an das ich mich erinnern kann. Du fährst auf Zehenspitzen, wie auf rohen Eiern.“
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Sebastian Vettel, der zwischenzeitlich schon wie der sichere Pole-Mann aussah, kann nicht mehr kontern, umrundet den Circuit de Spa-Francorchamps sieben Zehntelsekunden langsamer als der Brite. „Das Timing war nicht optimal, aber unter solchen Bedingungen kann alles passieren“, so Vettel. „Der Abstand war ein bisschen groß. Es war alles ein bisschen durcheinander. Dann hatte ich mit Esteban noch etwas Verkehr, der vor mir fuhr. Morgen haben wir aber die Pace für den Sieg.“
„Da war Glück dabei“, stellt RTL-Experte Christian Danner mit Blick auf Mercedes fest, „aber Lewis hat es auch entsprechend umgesetzt. Die Schwierigkeit war bei diesen Bedingungen, den richtigen Speed zu finden. Ein bisschen zu schnell und das Auto ist platt. Bei trockenen Bedingungen hätte es anders ausgesehen. Da wäre Ferrari vorn gewesen.“
Hamilton ist sich da nicht so sicher: „Es war schon in Q2 sehr eng mit Ferrari. Aber bereits da war ich hoffnungsvoll, dass ich den Unterschied machen kann.“ Der Regen spielt dem Briten dann zusätzlich in die Karten. Einen Extra-Dank an den Wettergott hält Hamilton aber nicht für nötig - und widerspricht damit auch Danner: „Das war null Glück. Wir haben die Reifen, die Power, die Kurven gemanagt. Das hat mit Glück nichts zu tun.“
Überraschung in Startreihe zwei: Das frisch verkaufte Force India-Team schickt Esteban Ocon und Sergio Perez kurz vor Schluss zum richtigen Zeitpunkt auf die Strecke und profitiert von den immer besser werdenden Bedingungen. Ocon wird Dritter vor seinem mexikanischen Teamkollegen.
Ferrari dagegen verpokert sich mit Kimi Räikkönen. Der Finne hat nicht genügend Sprit an Bord, muss vorzeitig wieder die Garage ansteuern. Die Zeit reicht dann zum Nachtanken nicht mehr aus und Räikkönen verpasst bei abtrocknender Strecke die Chance, seine Rundenzeit noch einmal zu verbessern. Er wird nur Sechster hinter Haas-Pilot Romain Grosjean.
Red Bull landet mit Max Verstappen und Daniel Ricciardo auf den Rängen sieben und acht. Valtteri Bottas wird nach einem Dreher nur Zehnter, muss wegen eines Antriebswechsels aber sowieso in der Startaufstellung zurück.
Red Bulls Neuzugang für 2019, Pierre Gasly, kann nicht wie in Ungarn glänzen, schafft unter trockenen Bedingungen nur Rang elf - denkbar knapp vor seinem Teamkollegen Brendon Hartley. Schlimmer trifft es den Deutschen Nico Hülkenberg. Der Renault funktioniert in Spa gar nicht. Der 'Hulk' wird nur 15., sein Teamkollege Carlos Sainz ist auf Platz 16 noch einen Rang schlechter. Trostpflaster für den Deutschen: Auch er wird wegen eines Antriebswechsels ohnehin nach hinten strafversetzt.
Die größte Pleite erlebt McLaren-Renault: Sowohl Fernando Alonso (Platz 17) als auch Stoffel Vandoorne (Platz 20) überleben noch nicht mal den ersten Qualifikationsabschnitt.

So lief das Abschlusstraining:

Das hätte böse ins Auge gehen können! Auf der schnellsten Passage des Circuit de Spa-Francorchamps, der langen Kemmel-Geraden im Anschluss an die Eau Rouge, kommt es am Samstagmittag zum Missverständnis zwischen Valtteri Bottas und Lokalmatador Stoffel Vandoorne.
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Mercedes-Pilot Bottas lässt rund zehn Minuten vor dem Trainingsende erst McLaren-Star Fernando Alonso vorbei - übersieht aber, dass dahinter noch dessen Stallgefährte Stoffel Vandoorne angeflogen kommt. McLaren übt, wie schon früher in der Session, das Windschattenziehen auf der langen Geraden. Vandoorne gerät beim Versuch, außen am überraschten Bottas vorbeizugehen, aufs Gras und dreht sich weg - bei über 300 km/h!
Glück im Unglück: Der Belgier fängt sein Auto gekonnt ab, schlägt nur mit dem Heckflügel leicht an die Leitplanken an. Weiterfahren kann Vandoorne nach dem Highspeed-Dreher aber nicht. Die Rennleitung unterbricht die Session daraufhin mit der roten Flagge und gibt sie erst für die beiden Schlussminuten wieder frei. Bottas und Vandoorne werden unterdessen zu den Stewards zitiert.
Schnellster im Abschlusstraining ist erneut ein Ferrari: Sebastian Vettel schnappt sich 0,063 Sekunden vor Teamkollege Kimi Räikkönen die Spitze. Schon in den beiden Trainings am Freitag hatten die Scuderia-Stars jeweils für eine Bestzeit gesorgt und gehen damit als Favoriten auf die Pole-Position ins Qualifying. WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton wird mit 0,137 Sekunden Rückstand, vor Teamkollege Bottas und dem Red-Bull-Duo Max Verstappen und Daniel Ricciardo. Nico Hülkenberg belegt im Renault Platz neun.

So lief der Freitag:

Diese Strecke liegt ihm einfach: Viermal hat Kimi Räikkönen in Spa schon gewonnen, zuletzt 2009, bei Ferraris einzigem Saisonsieg. „Damals war unser Auto aber deutlich schlechter“, sagt Räikkönen nach dem Training am Freitag. 2018 sind die Vorzeichen besser, wie der Finne mit seiner Bestzeit zum Auftakt in den Belgien GP unter Beweis stellt.
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Nachdem im ersten Training schon Teamkollege Sebastian Vettel Schnellster ist, bleibt Ferrari auch am Nachmittag an der Spitze. 0,168 Sekunden liegt Räikkönen am Ende vor Lewis Hamilton im Mercedes. Silberpfeil-Teamkollege Valtteri Bottas fehlt als Drittem schon eine halbe Sekunde.
Noch hinter Red-Bull-Pilot Max Verstappen muss sich Vettel im zweiten Training mit Rang fünf und 0,774 Sekunden Rückstand begnügen. Die Fans müssen sich aber keine Sorgen machen, der Deutsche hat nach einem Ausrutscher in Kurve 14 einfach seine schnellste Runde nicht aufs Papier gebracht.
„Heute war schon ganz okay, aber wir können uns noch bisschen steigern“, sagt Vettel. Rückschlüsse über die Performance, etwa der neuen Motoren von Ferrari und Mercedes, will der Deutsche noch nicht ziehen. „Das macht am Freitag noch keinen Sinn, da müssen wir noch etwas warten.“ Seinen Spaß hat Vettel in Spa aber trotzdem: „Die Autos sind so gut und schnell wie sie noch nie vorher waren. Es zieht gewaltig am ganzen Körper, die Kurven werden immer schneller. Ein tolles Gefühl!“
Der Blick auf die durchschnittlichen Zeiten zeigt, dass es im Titelkampf nach der Sommerpause eng weitergeht. Hamilton zirkuliert auf superweichen Reifen mit 1:48,7er Zeiten zwar am schnellsten, der Run des Briten ist aber auch deutlich kürzer, weil er sich seinen Reifensatz mit einem Verbremser ruiniert. Vettel ist im Schnitt zwei Zehntel, Verstappen drei Zehntel langsamer. Aber: Die Longruns von Ferrari wirken deutlich konstanter.
Bei Mercedes bleibt man deshalb auch vorsichtig. Sportchef Toto Wolff: „Es war ein gemischter Tag. Beim Speed über eine Runde war es okay.“ Der Österreicher glaubt: „Es ist wieder sehr eng mit Ferrari. Auf den weichen Reifen waren wir gut, auf Medium nicht so sehr. Wer wie große Fortschritte gemacht hat, sehen wir aber sowieso erst morgen in Q3.“
Gut für Ferrari: Fürs Qualifying besteht nur noch ein leichtes Regenrisiko auf der Ardennen-Achterbahn. Droht Ferrari dann erneut Ungemach, wie zuletzt in Hockenheim oder dem Budapest-Quali? „Wir hatten Schwächen im Nassen“, räumt Vettel ein, gibt sich aber entspannt: „Wir haben daran gearbeitet und es verstanden. Wenn es also regnet, wäre es nett, das zu bestätigen.“

So lief das Auftakttraining:

Fliegender Start für Sebastian Vettel aus der Sommerpause: Im Auftakttraining zum Belgien GP in Spa erzielt der Ferrari-Star am Freitagmittag die Bestzeit. Es ist das erste Mal überhaupt in der Saison, dass Vettel das erste Freitagstraining toppt. Mit einer Rundenzeit von 1:44.358 Minuten verweist der Heppenheimer Max Verstappen im Red Bull um 0,151 Sekunden auf den zweiten Platz.
„Für uns ist das ein guter Start mit diesem geringen Abstand“, sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. „Wir müssen hier auf eine Konfiguration mit extrem niedriger Downforce setzen“, erklärt der Brite Red Bulls im Vergleich zur Konkurrenz schmächtigen Heckflügel, mit dem das Team das Powerdefizit auf den Geraden ausgleichen will. „Hier und in Monza wird das eine große Herausforderung für uns“, so Horner.
Weniger gut läuft die Session für den zweiten Red-Bull-Piloten Daniel Ricciardo. Der Australier, der das Team am Saisonende in Richtung Renault verlässt, verpasst fast die ganze Session mit einem technischen Defekt, kommt erst in den letzten zehn Minuten zum Fahren und wird Sechster. „Sah aus wie ein Problem mit der Benzinzufuhr“, urteilt Horner, dessen Team schon die ganze Saison lang mangelnde Zuverlässigkeit beklagt.
Noch vor Ricciardo sortieren sich WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton als Dritter mit drei Zehnteln Rückstand, Kimi Räikkönen im Ferrari und Valtteri Bottas im Mercedes ein. Der Silberpfeil-Finne muss das Rennen am Sonntag nach dem Wechsel seines kompletten Motors vom Ende des Feldes aufnehmen - genauso wie Nico Hülkenberg. Zum Auftakt belegt der deutsche Renault-Pilot die achte Position.
Autoren: Bianca Garloff, Frederik Hackbarth