Schließen

Formel 1: Ferrari-Doppelpole —

Darum ist Vettel sauer

Ferraris Fairplay bedeutet für Sebastian Vettel im Monza-Quali einen kleinen Nachteil. Pole für Teamkollege Kimi Räikkönen - auch dank Windschatten.

Eigentlich ist es ein Grund zum Feiern. Ferrari holt in Monza die 60. erste Startreihe für die Scuderia. Trotzdem schaut der Zweitplatzierte Sebastian Vettel auf der Pressekonferenz unzufrieden drein. „Es gibt da etwas, was mir nicht geschmeckt hat, aber darüber reden wir intern.“
Fakt ist: Kimi Räikkönen startet morgen zum 18. Mal von der Pole-Position, holt die Bestzeit in letzter Sekunde - auch dank des Windschattens von Vettel. Der Deutsche verrät: „Kimi war an diesem Wochenende dran als Erster auf die schnellen Runden zu gehen. Meine letzte Runde hat insgesamt einfach nicht gepasst. Ich habe überall etwas Zeit verloren.“ Am Ende fehlten ihm 0,161 Sekunden. Ein Abstand, der allein durch ein paar fehlende km/h auf den langen Geraden entstanden sein kann. Räikkönen gibt zu: „Heute ging alles ums Timing, um die paar Hundertstel, die du in einem Windschatten gewinnst.“
Ex-F1-Pilot und Sky-Experte Paul di Resta erklärt: „Kimi hatte auch einen guten ersten und zweiten Sektor. Aber entscheidend ist in Monza immer das Ende der Runde. Wenn du auf der langen Geraden innerhalb von fünf Sekunden des Vordermanns bist, holst du mit dem Windschatten fünf bis sechs km/h extra raus. Das macht einen Riesenunterschied.“
Wie wichtig der Windschatten im Autodromo Nazionale ist, erklärt auch Lewis Hamilton. „Ich war froh, dass ich von Valtteris (Bottas; d. Red) Windschatten profitieren durfte.“ Offenbar setzt man bei Mercedes mittlerweile voll auf Hamilton als Favoriten im WM-Kampf. Da muss auch Bottas den Windschattengeber spielen. Toto Wolff: „Wir haben beiden Piloten die Chance gegeben sich ziehen zu lassen - zuerst Valtteri, dann Lewis.“
Anders bei Ferrari. Obwohl Vettel mit 68 Punkten Vorsprung auf Räikkönen klarer WM-Zweiter ist, spielt Ferrari weiter sportlich fair. Zu diesem späten Zeitpunkt in der Saison und vor allem im Tempo-Tempel Monza eine Taktik, die nicht für alle nachvollziehbar ist. „Sportlich ist das stark, aber im WM-Kampf muss sich Ferrari langsam auf Seb festlegen“, sagt Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve zu ABMS.
Das denkt offenbar auch Vettel. Von Stallorder wollen beide Ferrari-Stars offiziell dennoch nichts wissen. Kimi: „Natürlich passen wir beim Teamkollegen am Start mehr auf, aber ich hoffe, dass das Ergebnis morgen dasselbe ist wie heute.“
Vettel würde das sicher erneut nicht schmecken...
Immerhin: Eine Kollision mit dem Teamkollegen wird Räikkönen versuchen zu verhindern: „Das wäre echt dumm.“
Autor: Bianca Garloff