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Formel 1: Angst vor Regenrennen —

Deshalb ist Vettel im Nachteil

Die vergangenen zwei Grand Prix wurden von Regen beeinflusst – und fielen deshalb zugunsten von Mercedes aus. Haben die Silberpfeile einen technischen Trick?

Sebastian Vettel hat im Kampf um den WM-Titel einen Gegner mehr – den Regen! Die vergangenen zwei Grand Prix wurden von Regen beeinflusst. Im Trockenen hatte Ferrari das schnellste Auto, aber in Hockenheim flog Vettel im Nassen ab. Und in Ungarn machte eine Regenquali Vettels Siegchancen zunichte.
Warum ist Mercedes im Nassen besser? Ex-Formel-1-Pilot Marc Surer erklärt in SPORT BILD: "In Hockenheim konnte man sehen, wie beim Ferrari die Hinterräder immer wieder durchdrehten, das Auto war nur schwer zu bändigen. Der Mercedes dagegen beschleunigte sanft. Man muss sich das so vorstellen wie beim Fahren auf Schnee. Der eine kommt mit Sommerreifen kaum vom Fleck. Der andere fährt mit Winterreifen wie auf Schienen."
Surer hat auch schon einen Verdacht, welchen technischen Kniff Mercedes anwendet: "Mercedes scheint mit der MGU-H (der zweite Elektromotor, der für die 160 Zusatz-PS zuständig ist; die Redaktion) ein System entwickelt zu haben, das die Kraft des Motors sanfter einsetzen lässt."
Die Statistik spricht übrigens gegen Vettel. In 155 der 988 WM-Rennen bisher fiel Regen – und zwar nur im Rennen, Training oder Qualifying außen vorgelassen. Das heißt: Im Schnitt sind 16 Prozent aller Rennen zumindest zu einem Teil nass. Bisher hat es 2018 im Rennen erst in Hockenheim geregnet, zwei nasse Läufe müssten daher rein statistisch noch anstehen.
Und das Restprogramm beinhaltet mindestens drei Grand Prix, bei denen es nass werden kann – beginnend schon am kommenden Wochenende in Belgien. In Spa hat es bisher in 15 von 50 Rennen geregnet – also in 30 Prozent aller Ausgaben. Rein statistisch fällt im August in der Region an 16 Tagen Niederschlag. Auch in Interlagos (bisher zehn von 35 nasse Rennen) und Suzuka (sechs von 29 Grands Prix mit Regen) könnte Vettel bei Regen im Nachteil sein. In anderen Ländern Russland, Mexiko oder Abu Dhabi gab es in der Geschichte noch nicht ein Regenrennen.
Das Wetter könnte die Weltmeisterschaft 2018 also entscheiden. Aber: Es muss natürlich nicht mehr regnen. In sieben Jahren hat es nicht ein einziges Regenrennen gegeben – zuletzt 1987. Die meisten Regenrennen gab es 1981 (sieben), gefolgt von 2000 und 2008 (je sechs).
Autor: Michael Zeitler