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DTM: Zanardi vor Gaststart —

„Ohne künstlichen Beine bin ich schneller“

Alessandro Zanardi hat sich akribisch auf seinen Gaststart am Wochenende in Misano vorbereitet. Im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT gibt er tiefe Einblicke.

Das wird die wahrscheinlich größte Herausforderung im Motorsport für Alessandro Zanardi. Mit 51 Jahren gibt der Italiener am Wochenende in Misano sein Debüt in der DTM (Kabel.1 überträgt Samstag und Sonntag ab 22.15 Uhr). Zur Erinnerung: Der älteste Rennsieger ist Klaus Ludwig, mit 50 Jahre, zehn Monaten und einem Tag (Sachsenring 2000). Schon diese Statistik zeigt, wie schwer es Zanardi haben wird. Dem noch dazu beide Unterschenkel fehlen, der seit Jahren nur noch unregelmäßig Rennen fährt und eben ein DTM-Frischling ist.
Im Interview mit AUTO BILD MOTORSPORT (seit heute, Donnerstag, 23. August, als Heft in AUTO BILD im Zeitschriftenhandel) erklärt Zanardi: „Jeder, der diesen Sport kennt, sollte sagen: ‚Ey, was soll man von diesem 51 Jahre alten Typen ohne Beine, der nie ein DTM-Auto gefahren ist und zuletzt nur im Handbike  saß, schon erwarten?‘ Ich versuche einfach nur zu genießen, was auch immer da auf mich zukommt.“
Doch mit der nötigen Ernsthaftigkeit geht Zanardi das Projekt Gaststart dann schon an. Seit er bei einem IndyCar-Unfall auf dem Lausitzring 2001 beide Unterschenkel verlor, fuhr er mit Prothesen Rennen – unter anderem gewann er damit vier Läufe in der Tourenwagen-Weltmeisterschaft. Aber dieses Mal startet er ohne Prothesen: „Ich bin überzeugt, dass ich über die Distanz gesehen ohne meine künstlichen Beine schneller bin. Damals in der Tourenwagen-WM hatte sich das mit der H-Schaltung nicht angeboten. Die halbautomatischen Getriebe in einem GT- oder DTM-Auto ermöglichen es aber, einen Bremshebel in der Mittelkonsole zu installieren. Wir haben das dann getestet, und das Ergebnis war klar: Ich konnte beim testen locker 700 Kilometer fahren, obwohl ich lange nicht im Rennwagen gesessen hatte“, so Zanardi.
Und es gibt noch einen Grund, wieso er ohne Prothesen flotter unterwegs ist:  „Das liegt an der Art und Weise, wie sie an meinen Beinstümpfen angebracht sind. Das geschieht über einen Vakuum-Effekt und bedeutet auch, dass ich nicht schwitzen kann. Das tue ich aber natürlich trotzdem, und je mehr ich schwitze, desto mehr lösen sich die Prothesen von den Stümpfen. Beim Rennen in Spa musste ich den Schweiß über ein Ventil also immer wieder ablassen, indem ich mit meinem Stumpf in den Schaft hineinpumpe. Das ist ziemlich kompliziert, wenn du gerade mit Tempo 300 ein Rennen fährst (lacht). Das ist ein Grund. Der zweite: Die Beine sind der Kühler des Körpers. Mein Kühler funktioniert schon nicht mehr perfekt wegen meiner Amputation. Und wenn das, was übrig ist, in Prothesen versteckt wird, funktioniert die Kühlung gar nicht mehr.“
Das ganze Interview mit Zanardi können Sie in AUTO BILD MOTORSPORT #34 nachlesen.
Autoren: Michael Zeitler, Bianca Garloff