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DTM: Neue Reifendrücke —

Wirbelt Hankook jetzt alles durcheinander?

Eigentlich war die Sache klar: Mercedes macht den Titel unter sich aus. Eine Regeländerung bei den Reifen könnte aber alles noch einmal auf links drehen.

René Rast gewinnt das Samstagsrennen der DTM am Nürburgring vor Bruno Spengler: Audi vor BMW. Mercedes-Speerspitze Gary Paffett wird nur Dritter. Dabei dominierten die Stuttgarter bisher nach Belieben die DTM-Saison 2018.
Wird das Kräftegleichgewicht nun pünktlich zum Schlussspurt durcheinandergewürfelt - und kann es doch noch eine überraschende Wende in der eigentlich schon festgezurrten Meisterschaft geben? „Ja“, sagt Hankooks Chefingenieur Thomas Baltes. Punkt. Oder besser gesagt: Ausrufezeichen. Die Reifen könnten im Titelkampf noch einmal für Brisanz sorgen.
Denn: Hankook legt Mindestkaltluftdrücke für die Reifen fest. Das ist inzwischen aber nicht mehr „nur“ eine Empfehlung, sondern eine feste Vorgabe. Heißt: Bei einem Verstoß wird der betreffende Fahrer disqualifiziert. Der Hintergrund: Einige Teams hatten diese Empfehlungen zu oft „übersehen“, wie Baltes es freundlich ausdrückte. Anders gesagt: Die Teams tasteten sich wie üblich an das Limit heran. Und gingen zu oft darüber hinaus. Zuletzt offenbar zu sehr. Damit wurde es zu einem Sicherheitsproblem.
Auf dem Nürburgring wurde der Wert nun auf 1,3 bar festgelegt. Zuletzt soll er um einiges darunter gelegen haben. Hätte es die Regel seit Saisonbeginn gegeben, wären „einige“ Fahrer disqualifiziert worden, so Baltes. Der Vorteil: Je tiefer der Druck, desto länger kann man mit dem Reifen fahren. „Weil er nicht den Drop hat, den er jetzt haben wird.“
„Wir mussten den Schritt jetzt leider gehen. Uns ist klar, dass wir in einen laufenden Meisterschaftskampf eingreifen. Es wird dem einen Hersteller mehr weh tun als dem anderen. Es ist aber eine Sicherheitsfrage, bei der wir reagieren mussten“, sagt Baltes. Mit dem DMSB wurde die neue Regelung bereits in Misano umgesetzt und gilt bis zum Saisonende. Diese verpflichtenden Vorgaben gibt es erst einmal nur bei den Slicks. Bei den Regenreifen ist die Konstruktion anders, es werden auch keine tiefen Drücke gefahren. Schäden seien dort also eher nicht zu erwarten. Da in Misano größtenteils mit Regenreifen gefahren wurde, kam die Änderung noch nicht so zum Tragen. Am Nürburgring könnte sich das trotz Eifelwetter ändern.
„Jetzt fängt der Wettbewerb noch mal von Neuem an“, so Baltes. Die großen Fragen: Wer kann sich am schnellsten auf die neue Situation einstellen? Die Teams tappen mehr oder weniger im Dunkeln. Der Hankook-Chefingenieur: „Der Reifen verhält sich komplett anders. Er hat einen höheren Peak, aber auch einen höheren Drop.“ Man muss die Reifen praktisch komplett neu verstehen. Hinzu kommt: Audi, BMW und Mercedes haben drei komplett unterschiedliche Herangehensweisen, was den Druck angeht. Und: Frühe Stopps sind nicht mehr möglich, laut Hankook kann man bei dem Pflichtwert mit den Reifen kein komplettes Rennen bestreiten.
Autor: Andreas Reiners