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DTM: Nachtrennen in Misano —

Action, Crashs und reichlich Drama

Das erste DTM-Nachtrennen hat eine Menge zu bieten. Strahlende und traurige Gesichter bei Mercedes und einen glücklichen Gaststarter Alex Zanardi.

Paul di Resta kann zufrieden sein. Sehr zufrieden. Denn der Schotte hat beim ersten Nachtrennen der DTM in Misano einen Big Point eingefahren. Die Chance auf dem Silbertablett serviert bekommen. Und eiskalt zugeschlagen. Der Mercedes-Routinier feierte nicht nur seinen dritten Saisonsieg. Er setzt seinen Teamkollegen Gary Paffett im Titelkampf mehr und mehr unter Druck. Nach dem 13. von 20 Saisonrennen hat Paffett: 177 Punkte, di Resta 176. Der Zweikampf spitzt sich nach einem actionreichen und chaotischen Lauf unter Flutlicht immer mehr zu.
„Man kann nicht mehr verlangen, das ist ein perfekter Tag“, jubelte di Resta. Er weiß aber: „Diese Meisterschaft wird noch mehrere Wendungen erleben, es kann sich immer alles ändern. Wir haben den Job gemacht, aber es kommt in der DTM auf Kontinuität an, darauf, regelmäßig Punkte zu holen. Wenn wir den Lauf fortsetzen können, den wir haben, können wir sehr zufrieden sein“, so der Meister von 2010.
Bei Mercedes gab es trotz des neunten Saisonsiegs einige lange Gesichter. Zum einen bei Paffett, der nach einer der zahlreichen Kollisionen während des Rennens ausschied. Und das auch noch nach einem Crash mit seinem Teamkollegen Edoardo Mortara. Paffett war deutlich anzusehen, dass er stinksauer war. Vorwürfe gab es gegen den Italo-Schweizer keine, auch die Rennleitung sah die Schuld nicht bei Mortara. „Ich habe mich verbremst und bin von der Strecke abgekommen. Nachdem ich zurückkam, hatte ich Kontakt mit Edo und meine Lenkung brach. Das ist sehr enttäuschend“, meinte Paffett, der zu dem Zeitpunkt seines Ausfalls Zweiter war.
Auch Mortara war alles andere als glücklich, trotz seines dritten Platzes. „Es war ein schwieriges Rennen. Wir hatten Problem mit dem Auto und ich musste vorsichtiger fahren, es war nicht einmal sicher, ob ich es ins Ziel schaffe. Der Kontakt mit Gary ist bitter. Ich war in der Mitte und konnte gar nichts machen. Deshalb bin ich auch nicht zufrieden“, meinte er. Kleiner Trost: Er ist als Gesamtdritter mit 118 Punkten nun zumindest erster Verfolger seiner beiden Teamkollegen.
Das erste Nachtrennen bot eine Menge Action, viel Drama, eine Menge Manöver und Kollisionen. Und die bislang meisten Ausfälle in dieser Saison, sechs Fahrer mussten vorzeitig aufgeben. Profiteur war Alex Zanardi, der als Gaststarter nach Startplatz 19 dadurch einen hervorragenden 13. Rang für sich verbuchen konnte. Doch warum war der Italiener gleich zweimal zum Boxenstopp gekommen? Der 51-Jährige sorgte für Verwirrung, als er während einer Safety-Car-Phase in die Box kam, obwohl der Stopp gar nicht als Pflichtstopp zählte. Der Hintergrund: BMW wollte ihn mit den abgenutzten Reifen nicht in den chaotischen Indy-Restart schicken. Er lag zu dem Zeitpunkt ohne Stopp in der Spitzengruppe.
Zanardi ist mit seinem Debüt, für das er sich das wohl schwierigste Wochenende des Jahres ausgesucht hat, zufrieden. „Wenn man bedenkt, wo ich gestartet bin, habe ich viele Gründe zu grinsen. Ich habe viel gelernt, das ich hoffentlich am Sonntag im zweiten Rennen nutzen kann. Ich hoffe dabei vor allem auf stabile Bedingungen. Es ist aber großartig, Teil dieses riesigen Events zu sein. Auch wenn ich mir ein sehr schwieriges ausgesucht habe. Es ist immer noch erstaunlich, mit 51 ein Rookie zu sein.“
Ergebnis - Samstagsrennen, Misano:
1. Paul Di Resta - Mercedes 56:55.841 Minuten
2. Robin Frijns - Audi +1.973 Sekunden
3. Edoardo Mortara - Mercedes +2.144
4. Loic Duval - Audi +2.931
5. Nico Müller - Audi +3.663
6. Pascal Wehrlein - Mercedes +8.826
7. Timo Glock - BMW +13.624
8. Philipp Eng - BMW +14.390
9. Marco Wittmann - BMW +17.398
10. Mike Rockenfeller - Audi +21.447
Autor: Andreas Reiners