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Diesel umrüsten (SCR): Euro-5-Diesel nachrüsten —

Das sollten Sie zur Nachrüstung wissen

Wie gut funktionieren Diesel-Nachrüstsysteme auf Dauer? Der ADAC hat's getestet. Das sind die Ergebnisse! Dazu: alle Infos zur Umrüstung mit SCR-Kats!

(dpa/Reuters/jr/brü/lhp) Euro-5-Diesel lassen sich durch Hardware-Nachrüstung grundsätzlich deutlich schadstoffärmer machen. Das hatte der ADAC bereits im Frühjahr 2018 nachgewiesen. Aber können die Stickoxid-Emissionen auch dauerhaft gesenkt werden, sodass die Autos die Grenzwerte einhalten? Das wollte der ADAC ebenfalls wissen und schickte drei Fahrzeuge mit Nachrüstsystemen auf einen 50.000 Kilometer langen Alltags-Dauertest. Ergebnis: Die Systeme funktionierten auch im Dauerbetrieb technisch gut – doch laut ADAC reiche ihre Wirkung bei niedrigeren Temperaturen nicht aus. Und: Spritverbrauch sowie CO2-Ausstoß stiegen teils kräftig an.

ADAC: Autoindustrie in der Pflicht

"Die gute Nachricht ist: 80 Prozent Minderung sind möglich", sagte Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums im bayerischen Landsberg am Lech, wo die nachgerüsteten Fahrzeuge getestet wurden. Bei sommerlichen Temperaturen hätten es die Systeme geschafft, den Stickoxid-Ausstoß unter den mittlerweile festgesetzten Grenzwert von 270 Milligramm pro Kilometer zu drücken. Wenn es draußen kühler wird, halten die Systeme die mittlerweile von der Bundesregierung vorgegebenen Grenzwerte für solche Nachrüstlösungen jedoch trotzdem noch nicht ein, wie der ADAC Württemberg als Organisator des Tests am 18. März 2019 in Stuttgart mitteilte. Der Autofahrerklub sieht deshalb jetzt die Autoindustrie in der Pflicht. Sie müsse dafür sorgen, dass die Emissionen ihrer Autos bei niedrigen Temperaturen nicht so stark ansteigen wie bisher. Und sie müsse intensiv mit den Nachrüstfirmen zusammenarbeiten. Dies ergab der ADAC-Dauertest im Einzelnen:

Noch keine Genehmigung vom KBA

Für die geplanten Hardware-Nachrüstungen von älteren Dieselautos in Deutschland gibt es weiter keine Genehmigungen. Zwar wurden vier Anträge gestellt, die zur Erteilung einer Genehmigung erforderlichen Unterlagen sind beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) aber bisher nicht eingereicht worden. Das geht aus einer Antwort des Verkehrsministeriums von Mitte Februar 2019 auf eine Anfrage der Grünen hervor. Das KBA habe insgesamt sechs "Grundgenehmigungen" für Systeme erteilt, die den Stickoxid-Ausstoß verringern – aber nur für Busse im Öffentlichen Personennahverkehr. Ein weiterer Nachtrag befinde sich derzeit in Bearbeitung. Zu Pkw heißt es: Wenn die vollständigen Genehmigungsanträge vorlägen, erteile das KBA in der Regel innerhalb von zwei Wochen die Genehmigung. Der Nachrüstanbieter Baumot hatte vor Kurzem erklärt, eine erste Allgemeine Betriebserlaubnis (KBA) beim KBA beantragt zu haben. Der Antrag gelte für die Nachrüstung bestimmter Daimler-Fahrzeuge. Für jede Motorenfamilie muss Baumot einen eigenen Antrag stellen.

1,2 Millionen Nachrüstungen für Dieselautos?

Für Baumot geht Vorstandschef Marcus Hausser in den kommenden Jahren von rund 100.000 Einbausätzen bei Pkw aus, bei leichten Nutzfahrzeugen von knapp 40.000 Nachrüstungen. Angesichts drohender oder bereits bestehender Fahrverbote rechnet das Unternehmen in den kommenden Jahren mit möglicherweise mehr als 1,2 Millionen Hardware-Nachrüstungen für Dieselautos. Ob der Einbau von Nachrüstkits nur in Vertragswerkstätten, nur in freien Werkstätten oder in beiden möglich sein soll, ist laut eines Baumot-Sprechers noch offen: "Wir wollen für eine Markteinführung Ende des Jahres [2019, d. Red.] lieferfähig sein."

Registrierung bereits möglich

Wer seinen älteren Diesel für die Einfahrt in Fahrverbotszonen umrüsten möchte, der kann sich bereits bei Twintec/Baumot oder bei Dr. Pley unverbindlich registrieren. Die Systeme der beiden Katalysatoren-Lieferanten sind mehrfach getestet und vorbehaltlich der Zertifizierung durch das Kraftfahrt-Bundesamt einsetzbar.

Nachrüstung technisch geregelt

Für die Hardware-Nachrüstungen liegen nach langem Warten seit Ende Dezember 2018 die technischen Vorschriften vor. Damit sind nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums vom 28. Dezember 2018 vom Bund die Anforderungen für die Allgemeine Betriebserlaubnis wirksamer Nachrüstsysteme definiert (nähere Einzelheiten dazu siehe unten). So funktioniert das Umrüsten von Euro-5-Dieseln mit SCR-Kat Schritt für Schritt:

Regierung will Fahrverbote abwenden

Die von der Bundesregierung mit der Autoindustrie ausgehandelten Pläne dienen dazu, Fahrverbote in Städten abzuwenden. Doch viele Angebote gelten nur für Halter in den 14 am höchsten mit Stickoxid-belasteten Regionen. Sie sollen neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen und eben für Motor-Nachrüstungen bekommen. Diese Regionen sind: München, Stuttgart, Köln, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg an der Lahn, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg. Zum anderen geht es um Städte, in denen Fahrverbote kommen könnten – das betrifft unter anderem Frankfurt am Main, Köln/Bonn und Mainz. Einbezogen werden sollen bei allen diesen Städten jeweils auch Bewohner der angrenzenden Landkreise und "außerhalb dieser Gebiete wohnhafte Fahrzeughalter, die ein Beschäftigungsverhältnis in der Stadt haben". Ebenso Selbstständige, die ihren Firmensitz in der Stadt haben und deswegen aus beruflichen Gründen in die Städte pendeln müssen sowie Fahrzeughalter mit besonderen Härten. Dies sind die Antworten auf die dringendsten Fragen beim Thema Umrüstung alter Diesel:
Autoren: Benjamin Gehrs, Frank Rosin, Christian Jeß, Matthias Brügge