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Diesel umrüsten (SCR): Euro-5-Diesel auf Euro 6 nachrüsten —

Das sollten Sie zur Nachrüstung wissen

Der Nachrüstungs-Kompromiss für Diesel-Hardware zieht heftige Kritik auf sich. Alle Infos: So funktioniert eine Umrüstung mit SCR-Kat, das kostet sie!

(dpa/Reuters/jr/brü/lhp) Der Kompromiss über die Nachrüstung älterer Autos mit Katalysatoren zwischen Bundesregierung und großen Autoproduzenten hat heftige Kritik auf sich gezogen. So begrüßte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) grundsätzlich die Zusagen der Autobauer, sie reichten aber nicht aus. "Dass diese technischen Nachrüstungen erst nach 2020 möglich sein sollen, lässt sich (...) nicht nachvollziehen", sagte sie. Der Entwicklungsstand solcher Nachrüstungen sei "mittlerweile weit ausgereift, ihre Leistungsfähigkeiten wurden bereits mehrfach erfolgreich getestet." Hintergrund der Auseinandersetzung: Wann die Nachrüstsysteme zertifiziert werden, ist unklar. Bei den Verhandlungen hatten sich Volkswagen und Daimler bereiterklärt, die verbliebenen älteren Autos für bis zu 3000 Euro mit Nachrüst-Katalysatoren nachrüsten zu lassen. BMW lehnte das ab, wolle aber mit der gleichen Summe die Halter der älteren Diesel unterstützen – etwa für einen Neukauf. Die Angebote gelten nur für Halter in den am höchsten mit Stickoxid-belasteten Regionen. Den Kompromiss hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) am 8. November 2018 nach einem Treffen mit Branchenvertretern in Berlin öffentlich gemacht. Im Vordergrund stehe weiter die Umtauschaktion der Hersteller von Alt-Autos in sauberere Fahrzeuge. 

Breite Kritik: "Nachrüstung wird weiter verweigert"

Kritik an dem Kompromiss äußerte auch Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Aus seiner Sicht geht das "Tricksen" ungeniert weiter, betrogenen Dieselbesitzern werde die Nachrüstung um weitere Jahre verweigert. Der Verkehrsminister wies die Kritik zurück. Die Nachrüstungssätze müssten von den Unternehmen entwickelt und hergestellt werden. "Wir machen jetzt die technischen und rechtlichen Vorschriften, dann werden die Anbieter diese Teile entwickeln und wir wollen die dann genehmigen", betonte Scheuer. Dies sei aber technisch schwierig. Klaus Müller, Chef des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen (vzbv) sagte: "Dass jetzt doch jeder Hersteller sein eigenes Süppchen kocht und sogar einige betroffene Dieselbesitzer ganz leer ausgehen, ist nicht vermittelbar." Aus Sicht von Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer entsteht mit der angepeilten Lösung "noch weniger als ein Flickenteppich". VW und Daimler machten rund 30 Prozent der Dieselfahrzeuge in Deutschland aus, der Rest bliebe unberücksichtigt, sagte er dem "Mannheimer Morgen". Für den ADAC ist laut Vizepräsident Ulrich Klaus Becker wichtig, "dass für Autofahrer, die sich trotz Umtauschprämien und Rabatten kein neues Auto leisten können, eine technische Nachrüstung weiterhin die Chance bietet, trotz drohender Fahrverbote mobil zu bleiben und den Wertverlust ihrer Dieselautos aufzufangen". Alle Hersteller sollten jetzt solche Angebote machen.

Umrüst-Start 2019 oder doch erst 2020?

Autofahrer werden wohl noch eine Weile auf Diesel-Nachrüstsysteme warten müssen. Zwar haben Hersteller wie Baumot die für Euro-5-Diesel vorgesehenen Lösungen schon für 2019 angekündigt, doch einige Branchenexperten kalkulieren vorsichtiger: "Ich rechne erst in zwei Jahren [2020, d. Red.] mit nennenswerten Stückzahlen bei verfügbaren Umrüstsätzen", sagt etwa Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft in Geislingen. Mit Blick auf drohende Fahrverbote dürfte das für einige Dieselfahrer nicht reichen. In Städten wie Stuttgart werden vom 1. Januar 2019 an zunächst die Euro-4-Diesel verboten, im September 2019 könnte dann das Aus für Diesel der Abgasnorm Euro 5 kommen. Zuletzt hatten sich Zulieferer optimistisch zum Thema geäußert: "Ich denke, dass wir schon Anfang 2019 die ersten Modelle an den Markt bringen können", sagte Hubert Mangold, Geschäftsführer des Katalysatoren-Herstellers Oberland Mangold Anfang Oktober der Nachrichtenagentur Reuters. Der genaue Zeitpunkt hänge auch davon ab, wie schnell das Bundesverkehrsministerium die angekündigten Richtlinien und technischen Vorgaben erlasse. Danach richte sich auch, wie aufwendig die Zertifizierung durch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) werde. Das Ingenieurbüro Dr. Pley SCR Technology aus Bamberg, das ebenfalls solche Systeme entwickelt und vertreibt, will im Mai oder Juni 2019 lieferfähig sein. Die Zulassung müsste bis dahin erledigt sein, glaubt Geschäftsführer Martin Pley. "Ansonsten haben wir wieder eine Blockade durch die Politik." Die von Pley entwickelten Abgassysteme lägen bereits dem KBA vor und würden derzeit von den technischen Diensten geprüft. Pley schloss jedoch aus, dass bis September 2019 ein Großteil der älteren Diesel mit Euro 4 und 5 ausgetauscht werden könne.

Regierung will Fahrverbote abwenden

Auf mehreren Diesel-Gipfeln hat die Bundesregierung Pläne ausgearbeitet, um Fahrverbote in Städten abzuwenden. Es geht dabei um Pakete um den Umtausch alter Fahrzeuge und die Nachrüstung der verbleibenden. Besonders Besitzer älterer Diesel in 14 Regionen mit besonders schmutziger Luft stehen im Fokus. Sie sollen neue Angebote zum Kauf sauberer Wagen und für Motor-Nachrüstungen bekommen. Diese Regionen mit hohen Grenzwertüberschreitungen bei der Luftbelastung mit Stickstoffdioxid (NO2) sind: München, Stuttgart, Köln, Reutlingen, Düren, Hamburg, Limburg an der Lahn, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Backnang, Darmstadt, Bochum und Ludwigsburg. Zum anderen geht es um Städte, in denen Fahrverbote kommen könnten – das betrifft unter anderem Frankfurt am Main, Köln/Bonn und Mainz.

Kaufanreize, damit schmutzige Diesel verschwinden

Einbezogen werden sollen bei allen diesen Städten jeweils auch Bewohner der angrenzenden Landkreise und "außerhalb dieser Gebiete wohnhafte Fahrzeughalter, die ein Beschäftigungsverhältnis in der Stadt haben". Ebenso Selbstständige, die ihren Firmensitz in der Stadt haben und deswegen aus beruflichen Gründen in die Städte pendeln müssen sowie Fahrzeughalter mit besonderen Härten. Damit mehr schmutzige ältere Diesel von den Straßen verschwinden, sollen neue Kaufanreize kommen. Die deutschen Hersteller haben dem Bund demnach zugesagt, für Besitzer von Wagen der Abgasnormen Euro 4 und Euro 5 "ein Tauschprogramm mit attraktiven Umstiegsprämien oder Rabatten" anzubieten. Summen werden in dem Papier nicht genannt. Dabei solle "der besondere Wertverlust, den Dieselfahrzeuge durch die Debatte um deren Schadstoffausstoß erlitten haben, ausgeglichen werden". Gekauft werden könnten Neuwagen und Gebrauchte. Von den ausländischen Herstellern würden vergleichbare Angebote erwartet.

Nachrüstung bei Euro-5-Dieseln vorgesehen

Für Euro-5-Diesel soll als zweite Möglichkeit der Einbau zusätzlicher Abgasreinigungstechnik (SCR-Kat) am Motor ermöglicht werden. Wenn Besitzer eine solche Hardware-Nachrüstung wollen und Systeme verfügbar und geeignet sind, erwartet der Bund "vom jeweiligen Automobilhersteller, dass er die Kosten hierfür einschließlich des Einbaus übernimmt". Die Haftung sollen die Nachrüstfirmen übernehmen. Die Frage ist nun, wie weit die Autokonzerne da mitmachen. "Wir werden uns die Ergebnisse der Koalitionsrunde anschauen und dann die Details unseres Programms bekannt geben", teilte Volkswagen mit. Auch BMW und Daimler wollen sich erst äußern, nachdem die Regierung offiziell Details der Einigung mitgeteilt hat. Opel ist weiter gegen Hardware-Nachrüstungen für Diesel. Man habe aber noch keine Entscheidung über weitere Maßnahmen getroffen, hieß es in Rüsselsheim.

FAQ: Alle Infos zu SCR-Systemen

Nachrüsten von Euro-4- und Euro-5-Dieseln

Eine technische Lösung zum Nachrüsten auf Euro 6 ist am wahrscheinlichsten für Euro-5-Autos. Davon sind in Deutschland knapp sechs Millionen unterwegs. Aber auch Euro-4-Diesel kämen infrage. Zurzeit machen Baden-Württembergs Verkehrsministerium und der ADAC einen Langzeittest mit nachgerüsteten Dieselfahrzeugen, um die Funktions- und Leistungsfähigkeit von Hardware-Nachrüstungen bei Euro-5-Dieseln zu testen. Erste Ergebnisse laut "Süddeutscher Zeitung" nach 10.000 von 50.000 absolvierten Kilometern: Der NOx-Ausstoß sinkt selbst unter ungünstigen Bedingungen um etwa 50 Prozent, im Idealfall sogar um etwa 70 Prozent. Würden alle Euro-5-Dieselfahrzeuge nachgerüstet, dann würde der NOx-Ausstoß des Straßenverkehrs um 25 Prozent sinken. Gefahren werden zwei Pkw und zwei Transporter. Getestet werden soll die Funktionsfähigkeit der Systeme unter verschiedenen klimatischen Bedingungen wie Hitze und Frost. Beteiligt sind die Nachrüstunternehmen Twintec-Baumot, Dr. Pley, HJS und Oberland Mangold.

Flächendeckende Nachrüstung nötig?

Der ADAC hält die Nachrüstung für machbar, bezweifelt aber die Notwendigkeit einer flächendeckenden Nachrüstung. Der Club empfiehlt in einem Gutachten für die Bundesregierung, nur die Autos nachzurüsten, die in belasteten Städten zugelassen sind, in denen andere Maßnahmen nicht reichen. Der Verband der Technischen Überwachungsvereine (VdTüv) hält Hardware-Nachrüstungen bei "entsprechendem technischen Aufwand" für "grundsätzlich möglich". Eine "großflächige" Aktion würde aber mindestens zwei Jahre dauern. Wer sichergehen möchte, dass er nicht von Fahrverboten und Wertverlust betroffen ist, sollte überlegen, sich ein sauberes Auto mit alternativem Antrieb oder Euro 6d-TEMP-Norm zuzulegen.

Kostenfrage noch offen

Allerdings müssen die Kosten einer Nachrüstung immer im Zusammenhang mit dem Restwert des Fahrzeugs gesehen werden. Bei Autos mit schon hoher Laufleistung lohnt sich die Nachrüstung nicht mehr. Auch alte Lkw sollen nachrüstbar sein, sogar bis Euro 2. Der Kat-Hersteller Twintec-Baumot verspricht einen Nachrüst-Kat "für alle relevanten Fahrzeuge".

Welche Hardware-Lösungen gibt es?

Mehrere Anbieter arbeiten an Nachrüstlösungen, am bekanntesten sind Twintec-Baumot und die Faurecia-Tochter Amminex. Grundsätzlich wird bei beiden Lösungen Ammoniak direkt ins Abgasnachbehandlungssystem eingeführt – bei einer herkömmlichen SCR-Anlage bildet sich Ammoniak erst im Auspuffrohr. So funktionieren die Systeme:
BNOx von Twintec-Baumot: Herzstück des Umbausatzes ist eine AdBlue-Anlage, die technisch weiterentwickelt wurde. Twintec spritzt das Additiv nicht ins Auspuffrohr ein, sondern erzeugt daraus vorher in einem kleinen elektrischen Generator Ammoniak. Die Umrüstung kann von jeder AU-berechtigten Werkstatt durchgeführt werden und dauert etwa einen halben Tag. Twintec kündigt an, Nachrüstlösungen "für alle relevanten Fahrzeugtypen" anzubieten, sobald die gesetzlichen Rahmenbedingungen vom Gesetzgeber festgelegt wurden. Preis: 1500 Euro für BNOx plus 500 Euro Werkstattkosten.
BlueFit von Faurecia/Amminex: Die BlueFit-Lösung besteht aus zwei Hauptelementen: Zum einen zwei Patronen mit festem Ammoniak, die in der Reserveradmulde untergebracht sind, zum anderen ein SCR-Katalysator, der an der Abgasleitung unter dem Auto angebracht ist. BlueFit erfordert laut Hersteller keine Änderungen im Motorraum, an der Kalibrierung des Motors, am Diesel-Partikelfilter oder am Stromnetz. Die Standard-BlueFit-Konfiguration hat zwei Ammoniak-Patronen, was 16 Liter AdBlue entspricht. Die Reichweite soll rund 15.000 Kilometer betragen, bevor ein zweiminütiger Patronenaustausch in einer Werkstatt nötig ist. Die Installation des Systems bzw. die Nachrüstung soll von den Autohäusern der Hersteller durchgeführt werden und vier bis sechs Arbeitsstunden dauern. Der Beginn einer Kleinserienproduktion wird für Mitte 2018 angepeilt. Preis: "in einem wettbewerbsfähigen Rahmen".

Wie sauber wird das Abgas mit einem Nachrüst-SCR-Kat?

Der ADAC Württemberg wies zuletzt mit Unterstützung des baden-württembergischen Verkehrsministeriums die Wirksamkeit der Hardware-Nachrüstung an Euro-5-Dieselfahrzeugen nach. Bei vier Testfahrzeugen, die mit vier verschiedenen Prototypen von SCR-Systemen ausgestattet wurden, lag der NOx-Ausstoß bei guten Fahr- und Temperaturbedingungen innerorts um bis zu 70, außerorts sogar um bis zu 90 Prozent niedriger als ohne Kat. Die Hersteller selber geben bis zu 95 Prozent weniger schädliche Stickoxide an und wollen die Euro-6-Norm sogar unterbieten. Der Hersteller BlueFit teilte mit: "Nach der Nachrüstung des Autos (ein herkömmliches mittelgroßes, drei Jahre altes Dieselfahrzeug mit einem 1,5-Liter-Motor (Euro 5), Anm. d. Red) mit BlueFit zeigte sich, dass die durchschnittlichen Emissionen unter realen Fahrbedingungen auf 40 mg NOx pro Kilometer reduziert wurden. Dieses Ergebnis liegt deutlich unter dem aktuellen Emissionsstandard von Euro 6, der 80 mg NOx pro Kilometer erlaubt." Sehr ähnliche Werte legte TwinTec/Baumot vor. Selbst bei ungünstigen Bedingungen maßen die Tester rund 50 Prozent weniger NOx in den Abgasen.

Was die Hardware-Nachrüstungen kosten

Die Kosten für die Nachrüstung von Euro-4- wie Euro-5-Dieseln liegen zwischen 1400 und 3300 Euro pro Fahrzeug, schätzt der ADAC. Dazu kämen die Einbaukosten, wohl mindestens ein Arbeitstag pro Fahrzeug. Einige Experten gehen von 5000 bis 7000 Euro Gesamtkosten pro Auto aus.

Wer zahlt für eine Hardware-Nachrüstung?

Das ist nach wie offen. Die Autobauer wollten ursprünglich eine von ihnen finanzierte Nachrüstlösung um jeden Preis vermeiden, signalisieren inzwischen aber Kompromissbereitschaft, nachdem der Druck aus der Politik zu groß wurde. Die meisten Diesel-Besitzer in Deutschland würden nicht für die Nachrüstung der Abgas-Hardware zahlen wollen. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov sagten 76 Prozent der Dieselfahrer, sie wären nicht bereit, die Kosten für Umbauten an Motorsteuerung oder Katalysator aus eigener Tasche zu finanzieren. Nur zwölf Prozent der Befragten wären einverstanden, eigenes Geld in eine Erneuerung der Abgasanlage zu investieren, falls dies technisch machbar ist und sich so ein Fahrverbot für den eigenen Diesel abwenden lässt.

Probleme und Nachteile der Nachrüstung

Entwicklungsbedarf und Probleme: Erst 2019 könnten die Systeme marktreif werden. Vor allem sind noch keine Lösungen für verschiedene Fahrzeugtypen da. Auch eine offizielle Zulassungsrichtlinie für Nachrüstlösungen seitens der Behörden fehlt. Der große Nachteil: Für den chemischen Prozess, bei dem das Ammoniak aus der AdBlue-Harnstofflösung gewonnen wird, sind Temperaturen von 200 Grad erforderlich. Das macht die Abgasreinigung beim Kurzstreckenbetrieb problematisch. Bei den beiden Nachrüstlösungen BNOx (Twintec) und BlueFit (Amminex) genügen Temperaturen ab ca. 150 Grad, da das Ammoniak anders gewonnen bzw. bereitgestellt wird.
Höherer Spritverbrauch: Nachgerüstete Fahrzeuge dürften mehr verbrauchen. Denn für das AdBlue-System wird zusätzliche Energie benötigt. Bei den Testfahrzeugen stieg der Verbrauch um 0,1 bis 0,3 Liter pro 100 Kilometer, was einem Plus um ein bis sechs Prozent entspricht. Außerdem ist mit einer Leistungseinbuße zu rechnen. 
AdBlue-Verbrauch und -Tank: Auch der Harnstoff AdBlue muss regelmäßig nachgetankt werden, es müssen im Schnitt zwei Liter Harnstoff auf 1000 Kilometer veranschlagt werden. Damit nicht ständig nachgefüllt werden muss, fordert der ADAC AdBlue-Tanks mit mindestens zehn Liter Fassungsvermögen (Reichweite 3000 bis 6000 Kilometer). Für solche Tanks muss Platz im Fahrzeug geschaffen werden.

Initiative nimmt Umrüstung selbst in die Hand

Eine Initiative will die Sache selbst in die Hand nehmen: "Gerechtigkeit im VW-Abgasskandal" heißt das Aktionsbündnis, bestehend aus Axel Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter des Umweltbundesamts, dem ehemaligen Richter und bayerischen Grünen-Landtagsabgeordneten Hartmut Bäumer und der Twintec Baumot Group, Spezialist für Abgastechnik und Hersteller von Nachrüst-Kats.
Ihr Plan: Diesel-Besitzer lassen gegen Vorkasse ihr Fahrzeug mit einem SCR-Katalysator samt Tank für die Harnstofflösung AdBlue auf Euro-6d-Niveau nachrüsten. Kosten: rund 2000 Euro (ca. 1500 Euro Material, 300 Euro Einbau zzgl. Mehrwertsteuer). Später wollen sie sich das Geld auf dem Klageweg von den Herstellern zurückholen. Bis zum 14. September 2018 hatten sich rund 2100 Interessenten unverbindlich registriert (Infos und Formular auf https://dieselnachruestung.eu). Sie alle wollen zum einen dem Wertverlust ihrer Fahrzeuge entgegenwirken, zum anderen drohende Fahrverbote in Großstädten umgehen. Die Initiatoren sind überzeugt von der Wirksamkeit des Rechtsweges bei der Kostenrückerstattung: "Im Grunde handelt es sich um eine typische Nachbesserung, wie sie auch im Schadensersatzrecht vorgesehen ist", sagte Ex-Richter Bäumer dem Nachrichtenportal "Spiegel Online". Auch die Teilegenehmigung vonseiten des KBA ist offenbar auf dem Weg, das Land Baden-Württemberg hat eine Einfahrgenehmigung für die Fahrverbotszone in Stuttgart signalisiert. Bis zum Start müssen sich nach Angaben von Baumot mindestens 1000 VW-Besitzer der Umrüstaktion angeschlossen haben, um den Preis von 2000 Euro zu garantieren. Noch im Oktober 2018 sollten die ersten Autos umgerüstet worden sein. So funktioniert das Umrüsten von Euro-5-Dieseln Schritt für Schritt:
Autoren: Benjamin Gehrs, Frank Rosin, Christian Jeß, Matthias Brügge