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Detroit Auto Show (NAIAS) 2018: Kommentar —

Wenn die Messen Trauer tragen

Immer weniger Weltpremieren, immer weniger Autos, die auch nach Europa kommen. Was ist bloß los mit den Automessen in den USA? Ein Kommentar von Boris Pieritz.

Was ist bloß los auf den großen internationalen Automessen in den USA? Noch vor wenigen Jahren brach hier in Detroit Anfang Januar die Hölle los, wenn die NAIAS ihre Pforten öffnete. Cowboys peitschen Longhorn-Rinderherden Richtung Cobo Hall, flankiert von fetten Pick-ups und SUVs. In zweiter Reihe säuselten Hybridautos und Elektro-Prototypen zu den Messehallen. Die deutschen Hersteller wie Mercedes, BMW, Audi, Volkswagen und Porsche kamen mit je zwei bis drei wichtigen Weltpremieren nach Detroit, um ein rauschendes Autojahr einzuläuten. Und heute?

Einzig Mercedes hält die Neuheiten-Flagge hoch

VW präsentiert den Jetta, der gar nicht erst in Deutschland angeboten wird, BMW zeigt den X2, in dem wir schon vor Wochen gesessen haben, Audi verzichtet komplett auf eine Premiere, und Porsche ist erst gar nicht da. Einzig Mercedes hält mit der neuen G-Klasse und drei potenten AMG-Modellen die Neuheiten-Flagge hoch. Mercedes-Boss Dieter Zetsche sei Dank, der ja ein glühender Fan der Auto-Metropole in Michigan sein soll.

US-Hersteller zeigen Autos jenseits der 400-PS-Marke

Die amerikanischen Hersteller zeigen sich aller Unkenrufe zum Trotz – mal wieder – äußerst selbstbewusst und schlagen mit riesigen Pick-ups (wie Chevrolet Silverado, Ram 1500 oder Ford Ranger), SUVs und Sportwagen jenseits des 400-PS-Bereichs auf. Who cares – grab them by the V8! Zukunftsträchtige Modelle mit alternativen Antrieben sucht man hier aber vergebens. Auch die Asiaten präsentieren nichts Handfestes, liefern sich ein Battle mit Prototypen, Konzepten und Studien, die nie gebaut werden.

Das gleiche Bild in Los Angeles

Bereits vor wenigen Wochen auf der Messe in Los Angeles das gleiche Bild. Auch hier war wenig neues, innovatives Blech zu sehen, auch hier blieben viele namhafte Hersteller lieber gleich komplett weg. Stellt sich mir die Frage: Haben diese beiden einst so schimmernden Messen mittelfristig überhaupt noch eine Daseinsberechtigung? Haben sie in diesem (erbärmlichen) Zustand überhaupt noch eine Zukunftschance? Oder werden die "North American International Auto Show" in Detroit und die "Los Angeles Auto Show" zukünftig möglicherweise in "All American Truck & Utility Show" umbenannt? Wir werden sehen und bleiben dran!
Autor: Boris Pieritz