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Audi A6 Avant C8 (2018): Test, Kombi, Motor, Preis —

Viel Platz im neuen A6 Avant

Cockpit aus dem A8, Antrieb mit Mildhybrid-Unterstützung: So viel Hightech steckt im neuen Audi A6 Avant. AUTO BILD ist ihn schon gefahren!

Vorstellung: 65 Prozent aller A6 sind Kombis

Deutschland ist Kombiland: Rund zwei Drittel aller verkauften Audi A6 sind Avant-Modelle. Grund genug für Audi, den Avant schon kurz nach dem Marktstart der A6 Limousine im Juni 2018 hinterherzuschieben. Das Geheimnis der schnellen Markteinführung liegt in der Entwicklung: Erstmals hat Audi beim A6 die Karosserievarianten Limousine und Avant parallel konzipiert. Bisher wurde die Kombiversion immer im Nachgang auf Basis der Limousine entworfen.
Mit 4,94 Metern ist der A6 Avant genauso lang wie die Limousine. Die wuchtige Front mit dem extra breiten Kühlergrill ist bekannt, ein durchgehendes Leuchtenband haben weder A6 Limousine noch Avant – obwohl es bei Audi A7 und A8 aktuell voll im Trend liegt. Dafür haben die Designer die Dachlinie verändert, D-Säule und Heckscheibe stehen flacher als beim ebenfalls 4,94 Meter langen Vorgänger. Wer jetzt denkt, dass das sportliche Design Kofferraumvolumen kostet: Pustekuchen! 565 Liter passen hinten rein, bei umgeklappten Sitzen sogar 1680 Liter. Damit fährt der Kombi zwar genau auf Vorgängerniveau, die Konkurrenz von BMW (5er Touring 570 bis 1700 Liter) und Mercedes (E-Klasse T-Modell 640 bis 1820 Liter) schluckt aber mehr! Neben einer frischen Optik hat Audi dem neuen A6 auch jede Menge Hightech aus der Luxuslimousine A8 gegönnt. So ist der A6 mit dem neuesten Infotainment (MMI touch response), Sensorik fürs autonome Fahren Level 3 und durchgängig mit Mildhybrid-Antrieben ausgerüstet. Zum Marktstart bringen die Ingolstädter den A6 Avant mit vier Motorisierungen (drei Diesel und ein Benziner). AUTO BILD geht davon aus, dass der Einstiegspreis des A6 Avant bei knapp unter 50.000 Euro liegen wird. Zum Vergleich: Der BMW 520d Touring startet aktuell bei 50.600 Euro, das Mercedes E 200 d T-Modell beginnt bei 47.951 Euro.

Innenraum: Cockpit aus A7 und A8 bekannt

Audi verspricht, dass der A6 im Innenraum gewachsen ist. AUTO BILD machte die Sitzprobe. Erster Eindruck: Vorne ist die Sitzposition genauso gut wie in der A6 Limousine. Der Fotowagen hat die Individualkontursitze, die extrem vielfältig einstellbar sind. Natürlich sind die Sitze belüftet und sind mit einer Massagefunktion bestückt – solche Features sind längst nicht mehr nur der Oberklasse vorbehalten. Das moderne Cockpit mit der cleanen Optik kennen wir schon aus A7 und A8: Virtual Cockpit, der 10,1-Zoll-Hauptmonitor, darunter das 8,6-Zoll-Display, kein Dreh-/Drücksteller, kein Touchpad. Die tastenlose Bedienung mit haptischer Rückmeldung bietet vielfältige Möglichkeiten, erfordert eine kurze Eingewöhnung und bleibt am Ende dennoch Geschmackssache. Alles funktioniert, wie es soll – Freunde klassischer Tasten und Knöpfe werden im A6 vermutlich trotzdem nicht glücklich. Dafür macht Audi bei der Haptik im Innenraum immer noch keiner etwas vor.

Viel Platz im Fond des A6 Avant

Hinten sind die Ingolstädter besonders stolz auf die elf Millimeter mehr Beinfreiheit im Vergleich zum Vorgänger mit dem internen Kürzel C7. Übersetzt bedeutet das: Das Platzangebot ist sehr gut, auf der Rückbank haben auch große Passagiere mehr als genügend Platz in alle Richtungen. Gefühlt ist der A6 Avant sogar minimal geräumiger als E-Klasse T-Modell und 5er Touring. Auch hinten gibt es übrigens keine Schalter oder Tasten: Klimatisierung und Sitzheizung werden modern über einen Touchscreen bedient. Einzig die Oldschool-Fensterheber wirken im hochtechnisierten Innenraum des A6 wie ein Relikt vergangener Zeiten.

Fahren: Der Avant fühlt sich kleiner an, als er ist (Update!)

Für die erste Tour mit dem Avant haben wir den 2,0-Liter-TDI gewählt, einen 204 PS starken Vierzylinder mit Frontantrieb. 400 Nm Drehmoment sorgen dafür, dass der 1,7 Tonnen schwere Kombi sofort startet – von Anfahrschwäche keine Spur. Das Siebengang-Dop­pelkupplungsgetriebe (s-tronic) schaltet schnell und akkurat. Dank der serienmäßigen Progressi­vlenkung ist der Avant leichtfüßig unterwegs, fühlt sich in Wahrheit eine Klasse kleiner an und nicht nach einem Fünfmeter-Schiff. Der A6 Avant erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-TEMP. Dazu hat er ein 12-Volt-System an Bord, das den Start-Stopp-Betrieb nicht erst bei Stillstand erlaubt, sondern schon beim Anrollen an die rote Ampel (unter 15 km/h). Audi verspricht einen Verbrauch unter fünf Litern, nach unserer Test-Tour standen knapp über sechs im Bordcomputer.

Ausstattung: Viele Kreuze in der Aufpreisliste

Die serienmäßig elektrische Heckklappe und das praktische Schienensystem für den Kofferraum gehören in dieser Klasse zum Standard-Equipment. Ab Werk stattet Audi den A6 Avant mit LED-Scheinwerfern, Progressivlenkung und Stahlfahrwerk aus. Doch da geht noch mehr – vorausgesetzt, der Geldbeutel gibt es her. Typisch Oberklasse ist die Aufpreisliste extrem lang und umfangreich. Gegen Aufpreis bietet Audi eine sensorgesteuerte Heckklappe, Matrix-LED-Scheinwerfer, ein Sportdifferenzial und zwölf Außenfarben an. Die sogenannte Dynamik-Allradlenkung soll zudem den Wendekreis auf gute 11,1 Meter verringern, sie kostet aber extra. Für das äußere Erscheinungsbild bietet Audi die bekannten Ausstattungslinien "sport" und "design" an. Zusätzlich kann das S-Line-Exterieurpaket bestellt werden. Die schicken 21-Zoll-Felgen des Fotoautos kosten natürlich auch Aufpreis, Serie sind 17-Zoll-Felgen.

Vier Fahrwerksoptionen stehen zur Wahl

Aber nicht nur außen, sondern auch innen lässt sich der A6 Avant ordentlich aufhübschen: Vier Designpakete stehen zur Wahl (Basis, sport, design, design selection und S-Line). Jedes einzelne kommt mit einer eigenen Farbzusammenstellung für den Innenraum. Darüber hinaus sorgen auf Wunsch zwei verschiedene Ambientelicht-Pakete (Ambientelicht und Kontur-Ambientelicht) für ein erhelltes Cockpit. Für angemessenen Klang lässt sich der A6 mit einem von zwei Soundsystemen ausstatten – die Topversion kommt von Hifi-Spezialist Bang & Olufsen und beschallt auch die Fondpassagiere mit 3D-Sound. Beleuchtete Gurtschlösser, das "Air Quality Paket", ein Panoramadach und eine beheizbare Frontscheibe stehen auch in der Aufpreisliste. Für die Fahrdynamik hat Audi gleich vier(!) Fahrwerke für den A6 Avant am Start. Das serienmäßige Stahlfahrwerk soll dabei schon eine größere Spreizung zwischen Komfort und Sport bieten. Darüber hinaus stehen ein Sportfahrwerk (20 Millimeter tiefer), ein Fahrwerk mit elektronischer Dämpferregelung und das Luftfahrwerk "adaptive air" in der Preisliste.

Connectivity: Audi führt Updates over the air ein

Erwartungsgemäß greift Audi bei der Connectivity ins eigene Teileregal und spendiert dem neuen A6 Avant die gleiche Hard- und Software, wie sie auch in A6, A7 und A8 zum Einsatz kommt. Das alte MMI fliegt raus, stattdessen hält das neue MMI touch response mit zwei Bildschirmen Einzug. Über einen 8,6-Zoll-Touchscreen regeln die Insassen Sitzeinstellung, Klima- und Texteingabe. Darüber dient ein 10,1 Zoll großes Touchdisplay als Hauptanzeige für Infotainment-Inhalte (serienmäßig mit 8,8-Zoll-Touchdisplay). Besonderes Highlight ist das haptische und akustische Feedback, das beim Druck auf die Bildschirme mechanische Tasten imitiert und sich vielfältig einstellen lässt. In Kombination mit dem 12,3 Zoll großen virtuellen Cockpit (in Verbindung mit dem MMI Navigation plus) haben klassische Instrumente und Knöpfe im A6 fast vollständig ausgedient.
Dazu blendet ein aufpreispflichtiges Head-up-Display wichtige Informationen direkt im Blickfeld des Fahrers ein. Noch weniger Ablenkung verspricht die Spracherkennung, die sowohl cloudbasiert als auch im bordeigenen System nach Antworten sucht. Zudem soll die Navigation mit "Here"-Kartenmaterial lernfähig sein. Pünktlich zum Marktstart verspricht Audi Updates over the air. Das bedeutet: alle drei Monate kostenlose Kartenupdates, ein Leben lang. Und die Kunden müssen dazu nicht mal in die Werkstatt. Praktisch nicht nur für gestresste Außendienstmitarbeiter: Der Dienst "On-Street Parking" soll im A6 die Parkplatzsuche unterstützen. Die Assistenzsysteme übernimmt der A6 Avant von der Limousine. Insgesamt sind das über 30 an der Zahl, die die Ingolstädter in den Paketen "Stadt", "Tour" und "Parken" bündeln. Dazu zählen der neue Engstellenassistent, der Notfallassistent, der Kreuzungsassistent und viele mehr. Damit die elektronischen Helfer immer reibungslos funktionieren, hat der A6 (wie auch der A7) eine Sensorenreingungsanlage.

Motoren: Bis zu 340 PS im A6 Avant

Zum Markstart gibt es den A6 Avant mit vier Motorisierungen. Dabei setzt Audi hauptsächlich auf Diesel. Den Anfang macht ein Zweiliter-Vierzylinder mit 204 PS und 400 Nm maximalem Drehmoment (40 TDI). Darüber folgt bereits ein V6-Selbstzünder mit drei Litern Hubraum, 231 PS und 500 Nm (45 TDI). Der Topdiesel ist die stärkere Ausführung des Dreiliter-V6 mit 286 PS und 620 Nm (50 TDI). Der vorerst einzige Benziner ist gleichzeitig auch die stärkste Motorenvariante im neuen A6: Der Dreiliter-V6 (55 TFSI) beschleunigt die Oberklasse-Limousine mit 340 PS und bis zu 500 Nm Drehmoment auf die elektronisch begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Unabhängig davon, welcher Motor im A6 verbaut ist: Der A6 ist immer ein Mildhybrid. Wobei die V6-Versionen (Diesel und Benziner) über ein 48-Volt-Bordnetz verfügen, der Vierzylinder über einen konventionellen Zwölf-Volt-Stromkreis. Ein Riemen-Starter-Generator speist eine Lithium-Ionen-Batterie und rekuperiert mit bis zu zwölf kW (V6-Modelle). Bei allen Sechszylinder-Modellen ist serienmäßig der quattro-Allradantrieb an Bord. Der Benziner und der Vierzylinder-TDI schalten über eine Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (S-tronic). Die beiden V6-Diesel geben ihre Kraft an eine Achtgangautomatik weiter. Zu einem späteren Zeitpunkt wird Audi weitere Benziner einführen, und auch die Sportmodelle S6 und RS 6 dürfen natürlich nicht fehlen.
Autoren: Jan Götze, Andreas May